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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-05-01 · Heft 5 (Mai 1904) · p. Seite 307

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 5 (Mai 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-05-01
Page
Seite 307 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 307 ihre ordentlichen Lehrer, dazu berufen waren, die theologische Bildung des Rabbinentums in die moderne Riehtung hinüberzuleiten. Jeder von ihnen hatte seine ausgeprägte Eigenart, jeder von ihnen war ein horno trium litterarum in dem Sinne, dass sie, ein jeder nach Vortritt und Massgabe seines Spezialstudiums, das hebräisch-rabbinische, das antike und das moderne Schrifttum beherrschien, jeder von ihnen hatte sich durch ernstes und tiefes Denken zu einer konservativen Auffassung des Judentums durchgerungen. Jakob Bernays1), ein Meister der klassisehen Philologie von weithin reichendem Ruf, besass unstreitig das wirkungsvollste Lehrgeschick, das jedoch begabte Schüler hauptsächlich zu seiner Voraussetzung forderte, Frankel wirkte durch organisatorische und praktische Befähigung und übte eine Autorität, welche die Zöglinge in religiöser, wie wissenschaftlicher Richtung auf das Heilsamsle beeinflusste; Beide hatten jedoch das Streben, ihre wissenschaftliche Sonderart dem Schüler aufzuprägen, wohingegen Graetz auf jede Individualität achtete und seine Lehrtätigkeit besonders auf die Anregung, Befruchtung und Aufmunterung seiner Hörer zu richten pflegte. Während Frankel gern die straffe Ordnung und minutiöse Sorgfalt des elementaren Schulwesens auf sein theologisches Seminar übertragen wollte2), weil ihm an Herzen lag, tüchtige Talmudisten und praktische Rabbiner auszubilden, und Bernays wiederum den romantischen Schimmer einer theologischen Fakultät im Auge hatte und theologische Gelehrte heranzuziehen wünschte, war Graetz mit richtigem und gesundem Takt bemüht, zwischen beiden Gegen- 1j Er war ein Sohn des Hamburger Rabbiners, oder — wie er sich nannte, — Chacham, Isaak Bernays. 2) Diese Tendenz fand ihre Berechtigung in dem Umstande, dass man unter den obwaltenden Verhältnissen für die Aufnahme in die Anstalt kein höheres Mass profaner Kenntnisse fordern konnte, als für die Sekunda eines preussischen Gymnasiums ausreichte, und Schülern schon vom 15. Jahr an den Eintritt gewähren wollte. 20*

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