Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 306 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. Historikers gegeben? Oder wollte er sich gar den historischen Lorbeer auf Kredit reichen lassen? Die äusseren Verhältnisse gestalteten sich nun doch für ihn immerhin günstig genug, so dass die Ausführung seines kühnen Vorhabens dadurch in hohem Grade erleichtert schien. Nicht etwa dass sich eine Gemeinde oder gar ein Mäcen gefunden, um ihm die Mittel bereit zu stellen, die zur Durchführung einer Aufgabe, wie er sie sich vorgesetzt, erforderlich waren; wie noch ganz anders hätte er dieselbe gelöst, wenn er bei seiner wunderbaren Arbeitskraft in die Lage gesetzt worden wäre, die handschriftlichen Schätze der verschiedenen Bibliotheken in aller Müsse zu durchmustern und zu benutzen! Eine derartige Gunst hat bis auf den heutigen Tag der jüdischen Wissenschaft noch nicht gelächelt, und es ist, als wenn unserer Glaubensgemeinschaft, die doch sonst für alle humanen Interessen ein einsichtiges Herz und eine offene Hand hat, noch immer nicht das richtige Verständnis für diese Ehrenschuld an die Vergangenheit aufgegangen wäre. Graetz war schon zufrieden, dass die drückende Sorge um das tägliche Brod von ihm genommen war, als am 10. April 1854 Statuten, Plan und Personalien des Rabbiner- Seminars die Bestätigung der preussischen Regierung er.- langten. Wiederum siedelte er nach Breslau über, wo sein litterarischer Stern zuerst aufgetaucht war und er sich einstmals vergebens bemüht hatte, festen Fuss zu fassen, um fortab als ordentlicher Lehrer an der ersten jüdischtheologischen Bildungsanstalt, die am 10. August 1854 unter der Direktion Frankels eingeweiht und eröffnet wurde und den Namen »jüdisch-theologisches Seminar, Fränckel’sche Stiftung» erhielt, eine ihm erwünschte Lebensstellung einzunehmen. Es war eine providentielle Fügung, dass drei Männer von so ungewöhnlicher Bedeutung wie Frankel, als Direktor der neuen Anstalt, Graetz und Jakob Bernays, als