Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 300 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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300 Beistrich Graetz. £in £ebensbil9. Von Philipp Bloch, Posen. (Fortsetzung). Die Schwierigkeit bestand zunächst darin, dass gar kein Muster und Schema vorlag, an das man sich bei der Einrichtung einer rabbinischen Lehranstalt in Auswahl des Lehrplans, der Pensen und Wissenszweige anlehnen konnte, dass es sich um eine Neuschöpfung handelte, für welche es an jeder Erfahrung fehlte, und welche sofort durch praktische Ausgestaltung unter den überaus eigentümlichen Verhältnissen die Bürgschaft des Erfolges in sich tragen sollte. Überdies hatte der Stifter, Kommerzienrat Jonas Fränkel, bei seiner Testirung einige Bestimmungen getroffen, deren Realisirung unter den veränderten Zeitumständen der neuen Anstalt verhängnisvoll werden konnten1). Es war der Geist Frankels, der mit klarer und energischer Einsicht das zu verfolgende Ziel erkannte, der den Plan, den Wissensstoff und Lehrgehalt für die künftige Anstalt feststellte und dadurch die Grundlagen für die jüdische Theologie der Gegenwart schuf. Auf seinen Wunsch, für sich und für das Kuratorium eine fachmännische Kraft jederzeit frei zur Verfügung zu haben, ging das letztere um so bereitwilliger ein, als auch sonst ein vermittelndes Element nicht ganz überflüssig erschien, da Frankel sich nur schweren Herzens von Dresden trennte und geneigt war, jeden ihm berechtigt scheinenden Anlass zu benützen, um sein den Kuratoren gegebenes Wort zurückziehen zu dürfen. Zu solcher Aus־ hülfe ward nun Graetz vorläufig ausersehen.!) Vgl. Das jüdisch-theologische Seminar Fränckel’sche Stiftung zu Breslau, am Tage seines 25-jährigen Bestehens, den 10. August 1879, S. 5.