Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 274 (sequence 7)
- Language
- German
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274 Die Paulinische Lehre vom Gesetz. Stellen hier handelt es sich selbstverständlich nicht bloss in erster Reihe, sondern überhaupt nur um den Glauben an Gott, während Paulus an jenen beiden Orten, von denen wir ausgegangen sind (Gal. 2, 16; Röm. 3, 21; vgl. auch Gal. 3, 22, 26; Röm. 3, 25 f.), von einem »Glauben an Christus Jesus«, ferner ein und das andere Mal (Gal. 2,20; vgl. Röm. 1, 2 ff.; I. Cor. 15, 47) auch von einem »Glauben an den Sohn Gottes« spricht. Indessen, sämtliche von ihm beigebrachten Beweisstellen sprechen ja gleichfalls nur — klar und deutlich — von jenem ersteren Glauben. Wie verhält es sich nun damit überhaupt? Wie soll denn Abrahams reiner Gottes-Glaube, oder aber jener Vers des Propheten Habakuk den Beweis liefern, für die Kraft des (allein selig machenden) Glaubens »an Christus Jesus«? Wir geraten hiemit, wie man sieht, notwendigerweise für einen Augenblick auf das Gebiet der Christologie. Um es ganz kurz zu sagen: wenn Objekt und Inhalt des paultnischen Glaubens in der Tat vor Allem »Christus Jesus«, als der vom Himmel herabgekommene und — durch seinen Erlösertod, sowie durch seine Auferweckung — nunmehr auch geoffenbarte »Herr« (xupio;, Röm. 1, 4; 3, 24; 10, 9a u. s. w.) und wahre und wirkliche »Sohn Gottes« ist1), so ist die obige Frage grösstentheils allerdings bereits gelöst. Der Glaube an diesen ״Sohn Gottes“ fällt dann für Paulus ganz einfach zusammen mit dem an den »Vater«, oder kurz- ‘) Vgl. Weizsäcker a. a. O. S. 122 ff. — Daselbst (S. 124) auc h die für uns höchst beachtenswerten Worte: »Dieser Begriff (von der himmlischen Abkunft Christi) ergab sich dem Apostel aus seinen Voraussetzungen mit einer grösseren Notwendigkeit und ist eine Schöpfung seines Denkens; aber er war ohne Zweifel durch gewisse jüdische Vorstellungen nahe gelegt. Wir brauchen dabei nicht an den Phiionischen Begriff des himmlischen Menschen, als Ideal zu denken; es genügt die in der palästinischen Theologie vorhandene Vorstellung, nach welcher der Messias als Menschensohn schon im Himmel vorbereitet und aufgehoben ist, bis zur Zeit seiner Offenbarung. In jedem Falle hat Paulus ausgesprochen, dass er vom Himmel gekommen und daher schon vorher dort vorhanden ist».