Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Haeckels "Welträtsel" und die Religion
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
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Haeckels Welträtsel und die Religion. 251 liehen mit dem Monismus oderPantheismus unserer modernen Naturwissenschaft zusammen« (S. 117). Er übersieht hierbei, dass Monismus und Pantheismus durchaus nicht identische Begriffe sind, dass ein Monismus unter Umständen zum Pantheismus werden kann, wenn nämlich bestimmte Bedingungen erfüllt sind, es aber durchaus nicht zu werden braucht, wofür etwa Schopenhauer als Beispiel anzuführen wäre. In Spinoza’s Lehre sind diese Bedingungen zum Teil erfüllt, zum Teil bietet die tiefreligiöse Natur dieses Denkers die Erklärung dafür, dass die Grundstimmung seiner Philosophie eine religiöse ist, obwohl in seinem System die Voraussetzungen für eine religiöse Betrachtungsweise nicht immer gegeben sind. Wodurch kann etwas dem Menschen zur Gottheit werden? Dadurch, dass es ihn mit Andacht und Ehrfurcht erfüllt. Ehrfurcht aber empfinden wir nur vor einem Wesen, das diejenigen Qualitäten, die wir für wertvoll halten, in gesteigertem Masse besitzt. Für Spinoza war das Denken das Höchste, darum konnte ihm die Natur, die unter dem Attribut der cogitatio betrachtet, für ihn unendliches Denken ist, Gott werden, so konnte er sagen: natura sive Deus. Das moralische Empfinden des Menschen war für ihn nichts Wesentliches, nur eine zufällige menschliche Betrachtungsweise, deshalb bedurfte die Gottheit keiner sittlichen Überlegenheit, ja überhaupt nicht der Qualität des Moralischen. Das zähle ich etwa zu den erfüllten Bedingungen der Religion im Systeme Spinozas. Unerfüllt dagegen wäre etwa die Forderung einer mindestens relativen Selbstän־ digkeit des Menschen. Gott und Mensch, die Seele und ihr Gott — auf diesem Dualismus ruht jede Religion. Dass Spinozas consequent durchgeführter Monismus eine solche Gegenüberstellung nicht zulässt und trotzdem ein tiefreligiöses Verhältnis zur Gottheit vorhanden ist, ist nur auf dem bereits angedeuteten Wege psychologisch zu erklären. In Haeckels System aber sind weder die Vorbedingungen CP״