Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 249 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 249 Geiste erfüllt scheinen, zeigen häufig Anklänge an jüdisches Leben, so besonders: Ein Sohn des alten Volkes, der Thoraschreiber, Kiddusch u. A. Den Bildern fügt sich harmonisch an der Text aus der formgewandten Feder des urteilssicheren Fritz Stahl, und wir können ohne eine Kritik der Kritiken schreiben zu wollen, unsere Ansicht nicht unterdrücken, dass die ruhige, klare, von Ueber־ treibungen freie Darstellung gleichfalls verdient, an der Spitze der Essais zu stehen. Wenn auf Israels nicht der congeniale und zu einer Parallele herausfordernde Max Liebermann folgt, sondern erst an vierter Stelle seinen Platz findet, so glaube ich hierin das stillschweigende Zu־ geständnis des Herausgebers zu erblicken, dass Liebermanns unvergleichliche Kunst die Tendenz des Werkes nicht in so prägnanter Form, wie es der Wunsch des Buches ist, zum Ausdruck bringt; seine Kunst ist nicht unter dem Gesichtswinkel jüdischer Rassenkunst zu beurteilen. Wir freuen uns als Juden, einen Maler den unsrigen zu nennen, der den grössten aller Zeiten an die Seite zu stellen ist, aber wir können beim besten Willen keinen Einfluss des Judentums auf den Geist und die Technik seiner Werke constatieren. Und doch ist gerade in dem interessanten Essai von Georg Hermann über Liebermann am meisten von dieser wichtigsten Frage, ich möchte sagen der Lebensfrage des Buches die Rede. Eine Stelle ist be*• merkenswert, in welcher der Essayist den sensiblen Natursinn und die ausserordentliche Naturfrische Liebermanns auffallend findet. Seite 116: »Der Jude ist Städter und hat nur geringen und nicht immer gesunden Natursinn. Ich erinnere mich unter meinen Mitschülern, soweit sie Juden waren, an keinen, der Interesse für Naturwissenschaften aufwies, hierin Kenntnisse besass, oder auch nur besondere Empfänglichkeit für Natureindrücke zeigte, während sie sich sonst auf allen möglichen und erdenklichen Gebieten tummelten.« Diese Beobachtung kann verallgemeinert