Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 233 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 233 Demokratie in Waffen, hatte sich der österreichischen Hauptstadt bemächtigt, und man knüpfte grosse Hoffnungen daran, dass das Waffenglück daselbst zu Gunsten der demokratischen Partei entscheiden würde. Durch Vermittlung eines Studienfreundes, des Dr. B. Friedmann1), der später als Rabbiner in Mannheim fungierte, in jenen Tagen aber als wirksamer Volksredner in Breslau sich hervorgetan und bei der Redaktion der demokratischen Oderzeitung mitwirkte, wurde an Graetz das sonderbare Anerbieten gestellt, als Berichterstatter für die genannte Zeitung sich nach Wien zu begeben2). Ratlos, wie er war, geht er, obschon mit innerem Widerstreben, auf diesen Vorschlag ein. Auf der Reise nach Wien drängte es ihn, einen Abstecher nach Nikolsburg zu machen, um dort seinen früheren Lehrer, Samson Raphael Hirsch, aufzusuchen, der indessen das Landrabbinat von Emden mit dem in Nikolsburg vertauscht hatte. Graetz war auch nach seinem Abgang von Oldenburg mit dem Landrabbäner stets in brieflichem Verkehr und freundschaftlicher Beziehung geblieben; obgleich er den starr traditionellen Standpunkt von Hirsch nicht teilte und seiner theologischen Bedeutung nicht mehr wie vormals mit enthusiastischem Gemüt, sondern mit kritischer, nüchterner Beurteilung gegenüberstand, so war doch die Neigung und Verehrung נ) Derselbe Friedmann zeichnet in Gemeinschaft mit Graetz einen Aufsatz, der 1848 in den theologischen Jahrbüchern von Bauer und Zeller Bd. VII, S. 338 erschienen ist, »Ueber die angebliche Fortdauer des jüdischen Opferkultus nach der Zerstörung des zweiten Tempels«. Wie weit der Anteil Friedmanns dabei reicht, ist nicht ersichtlich. Die Einleitung zeigt ganz deutlich die Art und den Styl- Charakter von Graetz, der diese Arbeit als die seinige anzusehen pflegte. Es. ist übrigens die einzige Veröffentlichung, die in den Jahren von 1846—1851 von ihm ausgegangen war. -) Nach persönlichen Mitteilungen von Graetz an den Schreiber dieses.