Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 229 (sequence 6)
- Language
- German
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 229 gen zu Frankel suchte, der dieser Annäherung bereitwilligst entgegenkam und den jungen Gelehrten zur Mitarbeiterschaft an seiner Quartatschrift aufforderte. Graetz antwortete darauf mit der Uebersendung eines höchst geistvollen und anregenden Aufsatzes: »Die Septuaginta im Talmud«, wobei die ihm eigene Weise, Talmud und Midraschstellen untereinander und mit den Angaben und Anführungen der Kirchenväter zu vergleichen, das historische Element des talmudischen Berichtes dadurch zu fixieren und Kombinationen daran zu knüpfen, klar zu Tage tritt. ln demselben Jahr 1845 war Frankelauf der zweiten zu Frankfurt a/M. tagenden Rabbinerversammlung mit der Hoffnung erschienen, in mässigendem und vermittelndem Sinne auf die Beratungen und Beschlüsse einwirken zu können; er gab jedoch diese Hoffnung auf, als die Versammlung den Beschluss fasste, dass das Hebräische als Gebetsspräche beim Gottesdienst nur »ratsam», nicht »objektivnotwendig« sei. Er trat mit Eklat aus der Rabbinerver- Sammlung aus und rechtfertigte seinen Schritt in einer ebenso würdigen wie entschiedenen Erklärung. Frankels Auftreten fand allseitige und lebhafte Anerkennung, es rüttelte geradezu die gesetzestreuen Gemüter der verschiedensten Schattierungen auf, aus zahlreichen und angesehenen Gemeinden wurde ihm durch huldigende Dankadressen die volle Zustimmung zu seinem entschlossenen Vorgehen ausgedrückt. In Breslau hatte Graetz eine begeisterte Adresse abgefasst und in Umlauf gesetzt; dieselbe bedeckte sich schnell mit Unterschriften, und Graetz konnte sich dabei den malitiösen Scherz nicht versagen, notorische Anhänger von Geiger, der den Austritt Frankels sehr übel vermerkt und durch dessen Erklärung sich zu schmähendem Wort hinreissen Hess, mit Erfolg zur Unterzeichnung heranzuziehen. Warum wohl Frankel damals die ihm günstige Stirnmung und Gelegenheit nicht sofort benutzte, um eine