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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. Seite 228

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-04-01
Page
Seite 228 (sequence 5)
Language
German
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228 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. kritisch durchdringend, war er der Erste, der den Grund zu einer modernen Erforschung dieses Schriftwerkes legte; er hatte es sich zur Lebensaufgabe gestellt, das klassische Studium des Talmuds zu begründen und die Halachah nach ihrer Entwicklungsgeschichte zu verfolgen. Schon seine schriftstellerischen Erstlingswerke verrieten in der gründliehen, peinlich sorgfältigen und zuverlässigen Art ihrer Forschung den ernsten und hervorragenden Gelehrten und sicherten ihm in der wissenschaftlichen Welt ein hohes und unbestrittenes Ansehen. Als die reformatorischen Bestrebungen innerhalb der deutschen Judenschaft in immer lebhafteren Fluss gerieten und immer grössere Wellenringe zogen, als man einerseits Rabbinerversammlungen plante, um die angestrebten Neuerungen in ein System zu bringen und zu sanktionieren, und man andererseits aus Misstrauen gegen die Stimmführer fürchtete, dass durch die Beschlüsse und Kundgebungen einer derartigen Versammlung bedenklicher Zündstoff in die Gemeinden geworfen werden würde, hielt Frankel es für geboten, seine bisherige Zurückhaltung aufzugeben und in die religiöse Bewegung miteinzugreifen. Er trat daher 1844 mit einer »Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judentums« hervor, welche vierteljährlich erscheinend, einen streng wissenschaftlichen Charakter tragen und zugleich die religiösen Tagesfragen behandeln sollte. Ein Theologe von Besonnenheit, Welterfahrung und Duldsamkeit, vertrat er den Standpunkt, dass auch im Glaubensleben die veränderten Zeit- Verhältnisse berücksichtigt werden müssten, dass aber diese Berücksichtigung den historischen Boden nicht verlassen dürfe, und dass alle Neuordnung aus der Wissenschaftliehen Erkenntnis des Wesens und der Tradition des Judentums heraus zu erfolgen habe. Das war nun ganz nach dem Sinne von Graetz, und er hatte sich kaum ein Jahr darauf öffentlich bemerkbar gemacht, als er Beziehun-

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