Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 221 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. 221 blieben war1) (von ihm ist keine abfällige Äusserung erhalten) und sich ihm für die Erweiterung seiner Kenntnisse zu Dank verpflichtet fühlte, diesem für seine Person und im Namen der Universität einen Empfehlungsbrief2) an Christoph Scheurl in Nürnberg aus, wohin jener seine Schritte zunächst lenkte. Er nennt ihn als Linguisten »egregie doctum in hebraicis« und als Menschen »vir bonus«. Am 24. Januar war Böschenstein schon abgezogen, und da im Augenblick niemand einspringen konnte, über־ nahm Melanchthon auch die hebräische Lektur. Luther stellte ihm das Zeugnis aus, dass er wie mit grösserer Treue so auch mit grösserer Frucht als der d7ü0<7Ta׳rr,;, d. h. der Ausreisser, Böschenstein lehre. Seine Treue und sein Fleiss seien übergross, dass er kaum Zeit für sich übrig behalte3). Die zehn Gulden, die Melanchthon am Ende des Halbjahrs von der Universität als Geschenk er־ hielt4), sollten wohl eine Entschädigung für seine freiwillige Mehrleistung sein. Böschenstein ging jedoch nicht bloss für einige Zeit fort, er kam nie wieder; im April schon wusste das Luther und äusserte heftig seinen Unwillen über ihn5), dass er zur Schmach der Universität davongegangen sei, und nannte ihn »nomine christianus, re vera iudaeissimus«. Vielleicht gibt die schon angedeutete Stellung Luthers zu der rabbinischen Litteratur die Handhabe zu diesem ג) Die Anekdote, die L. Geiger, Das Studium der hebr. Sprache, 52, als boshafte Äusserung Melanchthons über Böschenstein erzählt, kann doch nur auf einen Juden oder getauften Juden gehen, also nicht auf Böschenstein. 2) Corpus Reformator um, I, 60, 61. 3) Luther an Spalatin, Wittenberg, 24. Januar 1519. Enders I, 37*2. 4) H. U. A., Ältestestes Rechnungsbuch der Universität, Com־ putus vom 28. Mai 1519. Der Universitäts-Thesaurarius Petrus Lupinus verrechnet: »qui alii decem floreni donati fuerunt magistro Philippo. 5) Luther an Johann Lang, Wittenberg, 13. April 1519. Enders II, 10.