Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 220 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. zurückkehren. Er lobt sich dabei laut als unvergleichlich in Deutschland; ich möchte jedoch lieber einen mittelmässig gelehrten und treu lehrenden als einen hochgelehrten, der untreu lehrt und gerade das verhehlt, was er weiss, und kaum ein Wort von sich gibt, wenn ihm nicht ein mit Geld wohlversehener Hörer naht. Er drängt mich, Caesar nicht zu bevorzugen, Melanchthon, mein geliebter Lehrer, sei viel gelehrter als jener, wenn dieser das Hebräisehe lehren wollte, würde er nichts dagegen haben. Hat mich nicht Böschenstein hinter das Licht geführt, so umwerben die Leipziger Caesar und haben mit ihm schon, bevor er hierher kam, Verabredungen getroffen. Aber Caesar will hier als Schüler (wahrscheinlich der Jurisprudenz) und als Lehrer leben. Er verspricht, die Grammatik Reuchlins zu lesen und Psalmen zu inter־ pretieren und will auch für Exemplare sorgen. Wegen aller dieser unangenehmen Dinge habe ich auf einen zweiten Brief von dir gewartet, ehe ich an Caesar schrieb. Sorge du nun für unsere Angelegenheit, ich will mich nicht in Ränke und Trug einlassen. Caesar ist mir wegen seiner wunderbaren Bescheidenheit angenehm. Durch den Pedell, der diesen Brief dem Boten bringen wird, erfahre ich, dass die, die Caesar gehört haben, ganz begierig nach ihm sind und dass einige Leipziger dasind, die die Gelehrsamkeit Caesars kennen, seine treue Interpretation rühmen und erklären, dass ihn, wenn wir nicht zugreifen, die Leipziger sofort nehmen werden. Wenn ich mich nicht scheute, würde ich Melanchthon zurate ziehen, dass er sogleich herbeigerufen und Böschenstein, der den Hörern wenig genehm ist und durchaus fortwill, entlassen werde. Gib Antwort!« Hierauf erfolgte bald der Entscheid des Kurfürsten, und schon am 20. Januar stellte Melanchthon, der, wie es scheint, Böschensteins einzige und letzte Stütze ge~