Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 217 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829776-2829781-2885222--32715-2885266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. 217־ Als er am 10. Januar 1510 von Leipzig zurückkam1), fand er einen jungen und nach seiner Meinung ziemlich gelehrten Mann vor, der in der Stunde seiner Ankunft vor der Uni־ versität eine lateinische, mit hebräischen Zitaten geschmückte Rede gehalten hatte, die allgemein gefiel. Daher äusserte er gegen S p ala ti n, weil doch »ille veteranus« Bös chenstein sich ganz und gar für einen schnellen Abgang fertig mache, so werde man bei Aufnahme des neuen Ankömmlings seinen Abschied ertragen können. Gott habe auf diese Weise vielleicht, ohne menschliches Zutun, für die Universität gesorgt. Er bat um möglichst rasche Antwort, was der Fürst, der also auch schon vorbereitet war, da־ rüber denke. An demselben Tage schrieb Karl stadt, der Ohrenzeuge der Rede gewesen war, einen noch dringenderen Brief2) an Spalatim Er war ganz begeistert von dem Eindrücke des jungen Mannes, dessen Namen er uns verrät: es war Bartholomäus Kaiser (Caesar) aus Forchheim. »Es kam׳<, sagt Karl stadt, »vielleicht ein Stern Gottes zu uns, der über die Scheelsucht Böschensteins so erhaben ist, dass dieser ihn nicht nur mir privatim allein, sondern auch in der gestrigen Vorlesung (es war also wohl die Einladung zur Rede schon angeschlagen gewesen) seinen Fiörern glänzend zu empfehlen gezwungen war. Kaiser will und begehrt, Nachfolger unseres Hebräers zu werden, er verspricht, die Grammatik Johann Reuchlins zu lesen und nach Kräften die wichtigen und wesentlichen Kreise des hebräischen Wort- Schatzes vorzutragen, und unser Hebräer rühmt das Vorgeschlagene. Jetzt eben zu dieser Stunde, wo ich schreibe, hat er eine sehr schöne Rede gehalten und zugenüge erwiesen, dass er die Aussprache, Wort und Schrift vollauf j) Luther an Spalatin,Wittenberg, 10. Januar 1519. Enders, 1,346. -) Olearius, Scrinium, 42.