Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 187 iichkeit die Betrachtung des Zentrums gerade fehlt. Aus dem Henochbuche, den Jubiläen etc. auf die jüdische Frömmigkeit schliessen wollen, heisst denselben Irrtum begehen, wie wenn jemand aus dem immer mehr um sich greifenden Kurpfuschertum einen Schluss auf den gegenwärtigen Stand der medizinischen Wissenschaft ziehen wollte. Zu dem wiederholt geäusserten starken Misstrauen gegen die rabbinische Literatur hat ein Gelehrter, der nach dem eigenen sehr ehrenwerten Geständnis fachmännische Kenntnisse auf dem Gebiete nicht besitzt (S. 9, Anm.), keineswegs eine Berechtigung. 2. Seite 18 schreibt B.: »Wenn er es denn durchaus hören will: ich kann die Fortexistenz des Judentums in seiner talmudischen Form nicht gerade für etwas in sich wert- und zweckvolles im höchsten Sinne halten*. Ein Gelehrter sollte doch mit solchen Urteilen vorsichtig sein, denn es könnte dasselbe vom Christentum behauptet werden; tatsächlich hat auch jüngst Baumann behauptet, dass die Welt durch das Christentum und den Protestantismus keinen Fortschritt gemacht hat, den sie nicht auch ohne sie erreicht hätte1). B. meint, das Christentum wäre imstände gewesen, sich von den Färbungen des Monotheismus selbst zu reinigen, und dass es des Judentums dazu nicht bedürfte. »Seit dem Entstehen und Aufkommen des Evangeliums hat, so weit ich sehe, das Judentum auf die Entwickelung des Christentums einen positiv fördernden Einfluss nicht mehr gehabt; nicht einmal in dem Masse, wie man diesen etwa dem Islam im Mittelalter zuzugestehen geneigt sein könnte« (S. 19); aber B. erweist sich hier als sehr kurzsichtig, er übersieht völlig, dass die Kenntnis des Hebräischen und ein reines Verständnis der Bibel, die Mittel zur Beseitigung der Trübung, den Christen durch die jüdischen Exegeten vermittelt wurden. Si Lyranus •) Julius Baumann, Neuchristentum und reale Religion, Bonn 1901, S. 20 f., 25 f.