Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 169 unter dem Titel 1תולדות אבות) und, wie es scheint, in der Lektüre der — Kirchenväter. Bei einem derartigen Ausflug anlässlich der Veriobung eines Jugendfreundes fiel sein Auge auf die Schwester der Braut, ein blutjunges Mädchen, welches sein Wohlgefallen erregte und dazu bestimmt war, auf sein Leben einstmals einen heilsamen, entscheidenden Einfluss zu gewinnen; in seiner Verstimmung hatte ihn der Eindruck wohltuend berührt, ohne dass er dermalen an irgend welche weitere Konsequenzen dachte. Gegen 11/g Jahre, bis zum Juli 1842, verblieb er in Ostrowo auf seinem Posten, bis ein läppischer Zwischenfall das wenig erquickliche Verhältnis in nicht ganz freundlicher Weise löste. Nun aber gings nach Breslau zur Universität, zu deren Besuch Graetz, da er keine Maturitätsprüfung abgelegt hatte, die ministerielle Erlaubnis nachsuchte und erhielt. Im Oktober 1842 erfolgte seine Immatrikulation, und mit ehrerbietiger Scheu und Spannung betrat er, der Autodidakt, die mysteriösen Hörsäle der strengen Wissenschaft, um sie kopfschüttelnd über die vernommene Weisheit meist enttäuscht und unbefriedigt zu verlassen. Es war ein so reicher und vielseitiger Wissensstoff, über den er schon damals verfügte, als er die Universität bezog, wie dies sonst naturgemäss nicht der Fall zu sein pflegt; und dieses Wissen war zwar nicht schulgemäss hergerichtet und abgerundet, trotzdem aber in sich geschlossen und krystallisierte bereits um einen festen Mittelpunkt, ln der Tat hatte er seine eigentlichen Lehrjahre schon hinter sich; auch seine Gereiftheit in Anschauung und Urteil lässt sich nicht verkennen. Die verschiedenartigsten Vorlesungen, geschiehtliehe, philosophische, orientalische, selbst physikalische wurden von ihm während seiner Universitätszeit besucht, ,) Diese Biographien sind nicht gedruckt worden, und auch die Handschrift war nicht aufzufinden.