Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 167

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-03-01
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829776-2829780-2885139--32654-2885193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Heinrich Oraetz. Ein Lebensbiid. 167 »wort erfolgte: Von unserem Wohlthäter Mordechaj, der »bis in seinen Tod »uns und unsere Kinder erhalten hat«, »während er im wahren Sinne des Woites hungerte. Diese »Erklärung machte die Vorsteher stutzig, sie forschten »nach und es ergab sich wirklich, dass Mordechaj nur »dazu Almosen verlangte, um diese dürftigen Familien zu »erhalten und nur darum sich alltäglich verspotten und »verlachen Hess. Kann es eine grössere Tugend geben? »Es war ein Mensch, wie er sein soll, ein Jude, wie ihn »Mosche aufstellt.« ln so angeregter Weise flössen Oraetz drei Jahre in der Umgebung seines Lehrers hin. Allmählich jedoch, zumal im vierten Jahre klingen allerlei kleine Differenzen mit der Frau des Hauses durch, wie solche bei so enger und langjähriger Hausgenossenschaft nicht auszubleiben pflegen und dazu beitragen, die gegenseitige Intimität bald ebben, bald fluten zu machen. Für Graetz reichen sie bei seinem stolzen Unabhängigkeitsgefühl schliesslich hin, um den ruhigen Spiegel seines an die Gegenwart hingegebenen Gemütes zu trüben. Die Sorge um die Zukunft steigt beunruhigend vor ihm auf. Der Drang, ein bestimmtes Lebensziel endlich zu ergreifen, die Sehnsucht nach seinen Eltern, welche indessen von Zerkow nach einem etwas grösseren Städtchen, Kosten, übergesiedelt waren, all dies vereinigt sich, um ihm die Trennung von Oldenburg ratsam erscheinen zu lassen. Nach offener und friedlicher Aussprache mit seinem Lehrer entschliesst er sich, die Heimreise anzutreten. 4. Aufstieg und Absturz. , Der Abschied aus dem Hirsch’schen Hause erfolgte unter rührender Herzlichkeit, und nach mehr als dreijähriger Abwesenheit wendet Graetz sich wieder der Heimat zu, nach Kosten, wo er um die Mitte August 1840 eintrifft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.