Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 161 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Heinrich firaetz. Ein EebensbiW. Von Philipp Bloch, Posen. (Fortsetzung). Hier trat ihm in Samson Raphael Hirsch eine Persöniichkeit entgegen, zu deren geistiger Ueberlegenheit und sittlicher Hoheit er mit unbedingter Verehrung aufblickt, die all den Erwartungen, mit denen er hergekommen war, auch wirklich entspricht. Hirsch war ein moderner Mensch mit guten, ja vornehmen Formen, obschon er sich jedem geselligen Umgang entzog; zwar klein von Statur, imponirte seine äussere Erscheinung durch gemessene, würdevolle, die Vertraulichkeit ablehnende Haitung. Mit grossen Geistesgaben und seltenen Herzenseigenschaften verband er nicht nur ein reiches theologisches Wissen, sondern auch eine vorzügliche klassische Bildung. Weitausblickende oder tiefe Ideen standen ihm nicht gerade zur Verfügung, aber er sprühte von originellen Bemerkungen und anregenden Einfällen, welche seinen neuen Schüler in helle Begeisterung versetzten. Er war der einzige wirkliche Lehrer, von dem Graetz’ autodidaktische Natur wissenschaftliche Impulse empfing, ja vielleicht der einzige Mann, der auf diesen spröden und selbständigen Charakter eine nachhaltige Einwirkung geübt, insoweit die starke Eigenart seines Wesens es eben zu- Hess. Bei seinem Eintreffen in Oldenburg wurde der Ankömmling von Hirsch sehr wohlwollend empfangen und sogleich in dessen Haus installirt, wo er fortab Wohnung und Verpflegung erhält. Gleich am anderen Tage wird mit dem Unterricht begonnen, sie beschäftigen sich des Monatsschrift, 48. Jahrgang. 11