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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 156

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
Date
1904-03-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. Juden zu werden. Wir fügen uns aber in den Mann, damit er keinen Vorwand zu Beschwerden hat, wozu er ausserordentlich geneigt ist«. So wurde vorläufig der offene Konflikt vertagt, aber die Grundursache blieb. Es war gewiss ein hartes Ansinnen für einen Mann von anerkanntem Ruf, wie es Böschenstein war, der schon zwanzig Jahre sein Fach gelehrt hatte und auf eine ganze Reihe von Schülern mit angesehenen Namen blicken konnte, dass er nun in Wittenberg von seiner langgewohnten Methode abgehen und nur ganz elementar dozieren sollte, aber Luther war der Stärkere und zielbewusst. Bö sch enstein ist als Christ nach seiner eigenen Angabe1) Im Jahre 1472 in Esslingen geboren; man könnte sonst das Jahresdatum in Zweifel ziehen, da er sich in Wittenberg 1518 schon als Greis bezeichnet2). Seine Familie stammte aus Stein am Oberrhein3). Er beabsichtigte ursprünglich, sich dem geistlichen Stande zu widmen und nahm mit 22 Jahren die Priesterweihe. Als seinen ersten Lehrer im Hebräischen nennt er den Rabbi Mosche Möllin aus Weissenburg, ein anderer war Kaspar Ammon, den er auch seinen Schüler nennt. Er beklagt sich, dass er wegen seines Studiums viel Anfeindungen erfahren habe4), dass er deshalb ins Gefängnis geworfen worden und selbst mehrmals in Lebensgefahr geraten sei. Die Juden hätten ihn gehasst, weil er ihre Sprache gelernt, und die Christen, weil er mit Juden verkehrt habe. Als seine Schüler zählt er 1514 auf: den gelehrten Provinzial des Augustiner- Ordens Dr. theol. Kaspar Am.mon aus Lauingen, den T. Wiedemann, a. a. O., 75. 2) Widmung zu seinen Justitutiones. S. w. u. 3) J. Böschenstein, Ain Diemietige Versprechung etc. 1B. Nr. 19. 4) Ein Verunglimpfer Böschensteins unter den eigenen Fachgenossen war Sebastian Münster, der in der Vorrede zum Opus grammaticum consummatum von ihm sagte: »qui leuato multo aere a discipulis, nihil docuit«. 1B. Nr. 48.

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