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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 155

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
Date
1904-03-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. 155 die auf den prinzipiellen Gegensatz in der Auffassung beider Männer von der Stellung des Lehrfachs beruhten und sicherlich in der Folge zu der raschen Entfernung Böschensteins aus Wittenberg geführt haben* Luther sah das Hebräische als Theologe nur für ein Mittel zum Zweck, zum Verständnis der heiligen Schrift, an, wozu es auf dem kürzesten Wege leiten sollte, das jüdisch-rabbinische Wissen hatte daher z. B. für ihn auch nur einen sehr bedingten Wert, ja er betrachtete es sogar bis zu einem hohen Grade als zweckwidrig1). Böschenstein aber war Philologe und wollte die Sprache um ihrer selbst willen und mit Heranziehung ihrer Litteratur treiben. Nur so lässt sich die Klage2) des enttäuschten Luther bei S p a 1 a t i n verstehen: »Unser Studium behabt sich gedeihlich und glücklieh, besonders das des Griechischen, nur der hebräische Professor hat nach seiner Sitte seinen eigenen Kopf und wägt das, was des Gewichts entbehrt. Denn das, was wir am höchsten schätzen, lehrt er nicht leicht und gern, das, was wir fast verachten, schätzt er wie zum Tort hoch, d. h. uns liegt die Bedeutung der Buchstaben und Wörter am Herzen und wir kümmern uns weniger um die Prosodie, da wir doch nicht hoffen, einmal Redner bei den W. M. L. de Wette, Martin Luthers Briefe, V, 606. Luther an den Kurfürsten Johann Friedrich, 3. Dezember 1543 : »Es ist die ebräisehe Lection durch Aurogalli Tod ledig worden, darumb sich vielleicht etliche werden annehmen; aber ich bitte ganz unterthäniglich, F. K. F. G. wollten dieselb für andern M. Lucas Edenberger leihen und befehlen, nicht allein desshalben . . sondern dass er E. K. F. G. und uns allen wohl bekannt, dass er treu und fleissig, auch ernstlich ist über der reinen Lehre, welchs alles vonnothen ist dem, der Ebräisch lesen soll. Denn viel Ebräisten sind, die mehr rabbinisch denn Christlieh sind, und doch die Wahrheit ist, wer nicht Christum sucht oder siehet in der Bibel und ebräischer Sprache, der siehet nichts und redet wie der Blinde von der Farbe». Andere Stellen über Luthers Geringschätzung der rabbinischen Litteratur bei L. Geiger, Das Studium der hebr. Sprache, 6* 2j Luther an Spalatin a. a. O.

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