Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Die Einführung■ des Hebräischen in Wittenberg. die Universität einzuheimsen, seinen Fürsten, Herzog Oeo rg, darauf verwies1). Schon am 30. März war ein Schreiben des Kurfürsten an R e u c h I i n abgegangen2), worin er um die Empfehlung von zwei Lehrern für das Griechische und das Hebräische oder wenigstens um einen bat, der beide Sprachen versehen könnte. Reuchlin bemühte sich voran für das Hebräische, aber Oecolampadius, an den er zuerst dachte, war schon für Basel vergeben, den gut gestellten, gelehrten Leibarzt des Kardinals Matthaeus Lang von Gurk, den getauften Juden Paul R i c i u s, meinte er, würde vielleicht der Kurfürst durch seinen Einfluss erlangen, und an letzter Stelle empfahl er den Barfüsser von der Observanz Konrad Pel lican us von Ruffach, den Friedrich wohl von seinen Oberen losbitten könnte. Zugleich warnte er vor der Annahme getaufter Juden, weil sie unfähig wären, das von ihnen durch mündliche Weitergabe gelernte Hebräisch kunstgemäss zu lehren, wenn sie nicht auch in der lateinischen Sprache wohl unterrichtet wären3). So war seine Antwort in diesem Punkte nur eine halbe, doch dadurch, dass er den ihm leider unerfüllbaren Wunsch anknüpfte, wenn es irgend möglich wäre, in Wittenberg selbst den Anfang in beiden Sprachen zu machen, deutete er vielleicht mit der hierauf folgenden Empfehlung seines Verwandten Philipp Melanchthon für das Griechische stillschweigend an, ohne ihm dafür einen Meisterbrief auszustellen, dass dieser, falls kein anderer Dozent aufzutreiben wäre, entsprechend der in zweiter 1) S. hier weiter unten. 2) Reuchlin an Friedrich von Sachsen, Stuttgart, 7. Mai 1518, L. Geiger, Johann Reuchlins Briefwechsel, 294; Corpus Reformatorum 1, 27. 8) Das waren aber von den Wittenberger Dozenten dann doch nicht der sonst von Reuchlin sehr gelobte Matthaeus Adrianus und Bernhardus Hebraeus. S. w. u.