Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829776-2829780-2885138--32633-2885173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. 147 den Proverbien, sondern aus den »Sprüchen der Väter« herrührt Seine Kenntnisse waren sicherlich damals wenig bedeutend, sein Interesse vertiefte sich jedoch allmählich, als Reuchlinist wie als freundschaftlicher Konkurrent Luthers hat er, wiesogleich zu erörtern sein wird, eifrig an der endgiltigen Einführung des Hebräischen in Wittenberg mitgewirkt und selbst noch zu den Füssen gelehrter Hebräer gesessen. Aus Begeisterung für Reuchlin hat er im Sommer 1516 über dessen auf hebräisch-jüdischer Basis ruhende pseudophilosophische Schrift De arte cabbaüstica gelesen1). Auch nicht sehr tief drang der stürmische Humanist Thilonimus Philymnus. Seiner Comoedia Teratologia2) gab er 1509 eine Probe von Hebräisch bei, die nur als alberne Ostentation angesehen werden kann, indem er nach einem verunglückten griechischen Gruss an sein verheiratetes »Süssliebchen« der lateinischen Übersetzung: Salve, Philogiycia, spes mea, vita mea, amor vincit oinnia, recht passend anhängte :2 נןד1סז?i1pT אמן: קחש eine ganze Blockschnittzeile aus der Introductio utilissima des Nicol.au s Marschalk. Aber er hat doch dann auch wirklich etwas in der Sprache und für sie getan. Als sich 1515 seine Metamorphose vom zerfahrenen Kraftmeier zum ernsten und gediegenen Manne zu vollziehen begann und er in seiner privaten Scola philymnea eine Anzahl von jungen lernbegierigen, meist adeligen Studenten um sich vereinigte, da trieb er mit diesen Latein und Griechisch und ging 1516 auch zum Hebräischen über. Und wenn er gewiss auch nur die einfachsten Grundlagen davon behandelt hat, so ist er doch dadurch der biis Salomonis maxime nostre sententiae quadraüs. Das geflügelte Wort geht zurück auf Sprüche der Väter (אבות), I, 7נ. Nach freundlicher Mitteilung von Herrn Dr. Brann in Breslau. J) Karlstadt an Spalatin (Juli 1516) in J. Q. Olearius, Scrinium, antiquarium, 82. 2) IB. No. 55.