Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Isaak b. Mose Or Sarua
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829776-2829780-2885137--32616-2885157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Isaak b. Mose Or Sarua. 131 Persönlichkeit in den Vordergrund, und dürften wir ein Bild gebrauchen,־ so könnten wir ihn mit einem Kunstgärtner vergleichen, dessen ordnende Hand auf Schritt .und Tritt zu gewahren ist. Wollte man aber deshalb die Halachoth des Alfassi geringschätzen, so könnte man das überschwängliche Lob des R. Isaak (des Alten) — dass Alfassi sein Werk des heiligen Geistes voll geschrieben habe, — kaum verstehen, ja man würde den Grundgedanken des Gesetzesstudiums, welches von jeher nicht auf die Praxis Rücksicht nahm, sondern den Verlauf der Halacha vor Augen hielt, missverstehen. Der Talmud ist das lebendige Organ der Entwickelung, und von einer Abschliessung des Judentums im maimünischem Sinne kann nicht die Rede sein. Das Judentum ist ein Lebensgefüge, und leben heisst sich entwickeln. Entwickelung aber ist Veränderung. Darum ist auch die Codificirung des halachischen Stoffes nicht gelungen. Das Werk Joseph Caro’s ist eben auch nur ein Versuch geblieben, wie diejenigen seiner Vorgänger .es gewesen sind. Wie im Grossen, so auch im Kleinen. Die dialectische :Schule ist dem halachischen Stoffe näher getreten als die •systematische, die glossatorische Thätigkeit der Tossaphisten entspricht mehr dem Geiste des Geselzesstudiums als die novellistische der spanischen Lehrer. Jene dringt in den Gedankengang des Talmud ein, indem sie sich in die Einzelheiten seines Stoffes versenkt, diese sichtet das Material, ordnet die Ansichten und legt auf den Gedanken das-Hauptgewicht; jene erhielt die Discussion, diese suchte das Ergebniss derselben; jene, überzeugt von der Unendlichkeit der halachischen Materie und begnügte sich mit dem Commentare; diese, die Grenzen absteckend, fand dem Gegebenen immer neue Seiten ab und versuchte sich im Compendium. Dabei fehlt es nicht an dem Bestreben, beide Geistesrichtungen, Com mentar und Codex, zu vereinigen. Am deutlichsten kommt dies zum Ausdruck in den Werken 9*