Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 96 (sequence 10)
- Language
- German
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96 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. Daraufhin erfolgte am 1. Februar 1837 die förmliche Einladung von Hirsch, nach Oldenburg zu kommen, Kost und Wohnung biete er ihm in seinem eigenen Hause an, für die weiteren Bedürfnisse müssten die Eltern sorgen, nach dem Passahfeste (im Mai) erwarte er sein Eintreffen. Schon anfangs April trat Graetz die Reise an, weil er unterwegs Verwandte besuchen, auch in Berlin und Leipzig sich einige Zeit Umsehen wollte. In Berlin macht das Museum und die Gemäldegallerie einen tiefen Eindruck auf ihn. Dort lernt er den Prediger Salomon Piessner kennen, von dem er, ein merkwürdig scharfer Beobachter, folgende zutreffende Charakteristik sich aufzeichnet: »Auch diesen rühmlichstbekannten «Mann besuchte ich und fand einnehmende, Scharfsinn «versprechende Züge, aber vernachlässigtes Äussere und «nachlässige, ungrammatische, ja mauschelnde Sprache; «und dieses wundert mich, da seine Sprache in den «Predigten doch recht gediegen und gewählt ist Er ist «ungefähr in den Vierzigen, trägt einen Bart und scheint «so recht und echt religiös zu sein. Aber sein Tun ist «wilder Art, er spricht Alles rasch aufeinander, immer hin «und her laufend, die Bücher räumend, und zerstreut.« In Leipzig besucht er seinen Landsmann Dr. Fürst und berichtet: »Ein kleiner Mann, dessen Gesicht mir von der «Kindheit noch bekannt war, kam mir entgegen. Ich «überreichte ihm den von seiner Mutter mir gegebenen «Brief, worauf er gleichgültig erwiederte : Ich werde «nächstens schreiben. Als ich ihm aber das Ziel und die «Veranlassung meiner Reise sagte, dann ihm die Briefe von «Hirsch zeigte, ward er anderen Sinnes und sprach ganz «freundlich mit mir. Endlich als er einsah, ich sei kein «Ignorant, vertraute er mir mehreres und erzählte mir von «seinen wissenschaftlichen Adversairen, brüstete sich, er «sei auch Gesenius’ Lehrer gewesen, dass er nun mit Ewald