Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 97 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 97 «versöhnt sei, dass ihm die grössten Gelehrten Briefe schrei- «ben etc. . . Ich sprach immer vertrauter mit ihm und jetzt «schieden wir als Freunde, indem er mich wieder zu sich «lud, wenn ich anders über פסח da bleiben sollte. «Sollte ich nicht bleiben, so müsste ich ihm versprechen, mit «ihm künftig Briefe zu wechseln. . Es freute mich besonders, «dass Fürst sich nicht taufen lassen und für das Judentum «wirken will. . . . Streben für’s Judentum, meint er, sei «die erste Bedingnis jedes studirenden Juden, das heisst «ihm: streng wissenschaftliches, wohl auch — philologi- «sches Studium.« Um die Zeit während der Reise nicht ganz zu vergeuden, begann Graetz unterwegs Griechisch zu lernen und benutzte die griechischen Konjugationen dazu, um sich die öden Stunden und die Ungelegenheiten, welche bei dem weiten Weg und seinen knappen Mitteln nicht ausbleiben konnten, und den Kleinmut, welcher ihn infolge dessen öfters befiel, möglichst zu vertreiben. ln einem elenden Oertchen, wo er des Sabbaths wegen gezwungen ist, einen ganzen Tag Rast zu machen, findet er ein neues Testament vor und liest es zum ersten Mal. Der erste Eindruck dieser Lektüre wird folgender■ weise von ihm geschildert: «Trotz der vielen Seltsam- «keiten und Widersprüche sprach mich die Sanftmut in «Christi Charakter an, aber es stiess mich zugleich ab, so «dass ich recht konfus wurde.» Am 8. Mai trifft er endlich in Oldenburg ein, wo sich eine neue Welt vor ihm auftut. (Fortsetzung folgt). Monatsschrift, 48. Jahrgang. 7