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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. Seite 94

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-02-01
Page
Seite 94 (sequence 8)
Language
German
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Heinrich Oraetz. Ein Lebensbild. 94 drohte, er werde seinem ketzerischen Kinde alle Bücher, die nicht hebräisch wären, verbrennen; die Mutter aber machte sich auf, um den verirrten Sohn überall zu suchen; sie fand ihn schliesslich, liebevoll folgte er ihr nach Hause, doch zu irgend welcher Manipulation mit dem Hahn war er durchaus nicht zu bewegen, so dass derselbe ohne Schwung und Verwünschung zum Schächter wandern musste, und erst am folgenden Tage eine rührende Versöhnung mit seinen Eltern stattfand. Nach dem Feste wurde Oraetz von einem befreundeten Buchhändler aus Wollstein, der ihm gewöhnlich die neuen Erscheinungen des jüdischen Büchermarktes zusandte, mit den »Neunzehn Briefen des Ben Usiel« beschenkt, deren Besitz er gewünscht hatte. Die Schrift elektrisirte ihn aufs Neue, und gab ihm den Gedanken ein, sich dem Verfasser, der ihm inzwischen bekannt geworden war, als Schüler anzubieten. Samson Raphael Hirsch erschien ihm nämlich als das Ideal eines jüdischen Theologen der Gegenwart und als der vertrauenswürdige Lehrer, nach dem er sich gesehnt, um von ihm irgendwelche Anleitung oder gar Auf- Schluss über die mannigfachen, seinen Geist beschäftigenden Fragen zu erhalten. In diesem Sinne schrieb Graetz an den Landrabbiner zu Oldenburg, wobei er aus seiner Gesinnung kein Hehl machte, sondern klar und aufrichtig seine Gemütslage und seinen Bildungsgang darlegte. Der Schritt hatte Erfolg, nach einiger Zeit lief das folgende Schreiben von Hirsch ein: «Mein lieber junger Freund! «Ihren gegen mich ausgesprochenen Wunsch erfülle ich «gerne und mit Freuden nach Kräften. Sie kennen den «Spruch der Weisen: (1יותר משעגל רוצה ליבק הפרה רוצה להניק «und wenn daher, wie ich nach Ihrem Briefe gerne voraus- «setze, die dort ausgesprochene Gesinnung nicht nur äugen- «blickliche Stimmung, sondern es wirklich Ihr lebendiger 13 Pessachim 112 a: «Mehr als das Kalb aufnehmen will, begehrt die Kuh ihm einzufiössen».

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