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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. Seite 92

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-02-01
Page
Seite 92 (sequence 6)
Language
German
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92 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. wandte sich zunächst nach Zerkow, um die Eltern von seinem Vorhaben zu unterrichten und mit ihnen das Weitere zu beraten. Empfehlungsbriefe an Prager Familien wurden herbeigeschafft, Eltern und Verwandte schossen eine kleine Summe zusammen, Graetz besorgte seinen Pass, schnürte im vollen Sinne des Wortes sein Ränzchen und machte sich wolgemut auf den Weg. Teils zu Fuss, teils billige Fahrgelegenheit benutzend, nahm er die Strasse über Breslau, schritt fürbas durch das schlesische Gebirge und gelangte unweit Reinerz an die österreichische Grenze. Hier aber trat ihm, wie ein Cherub mit feurigem Schwert, der Grenzbeamte entgegen und wehrte ihm den Eintritt nach Oesterreich, weil er zwar einen Pass, aber keine 10 flor. (— 20 Mark) in baar vorzeigen konnte; über den Baarbesitz einer solchen Summe musste man nämlich sich ausweisen, wenn man, ohne die Post zu benützen, Einlass in die Lande des kaiserlichen Doppeladlers erhalten wollte Der junge Wandersmann verlegte sich bestürtzt aufs Parlamentiren und berief sich auf seine Empfehlungsschreiben; vergebens, die Grenzwacht liess sich auf keinen Kompromiss ein. Da Graetz, stolz und unbeugsam wie er war, zu Bitten oder Schleichwegen sich nicht verstehen mochte, machte er trotzig Kehrt und ging desselben Weges und in derselben Weise, wie er gekommen war, kleinlaut wieder zurück gen Zerkow in das väterliche Haus, wo seine Eltern nicht wenig über seine Heimkehr erstaunt, aber doch zugleich erfreut waren, ihren Sohn wieder einige Zeit bei sich sehen zu können. Das kleine Abenteuer darf als charakteristisch für das wunderliche Missgeschick gelten, von dem Graetz im praktischen Lebern zumal am Anfang seiner Laufbahn oft empfindlich genug betroffen wurde, ohne dass er jedoch dadurch an seinem Stern je irre wurde. Seine initiative und temperamentvolle Natur verstand es wohl, mit schnellem Scharfblick die leitenden Gesichtspunkte und

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