Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 83 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. 83 Ru dolf Agr i cola im Alter1) und Konrad Pellicanus war es in religiös-theologischer Gesinnung darum zu tun, sich den heiligen Schriften in ihrer alten, ehrwürdigen Urgestalt zu nähern; ihre Kenntnisse blieben meist bescheiden, nur Pellican drang im Eifer seines Herzens bis zu selbständiger sprachlicher Arbeit vor. Andere, in dem humanistischen Bestreben, auch dieses wenig begangene Gebiet kennen zu lernen, fassten es zuerst meist noch äusserlicher, wie Rudolf Agr i cola in seinen jüngeren Jahren als Schüler Wessels2), wie Konrad Celtis als Schüler Agricolas3) und Sebastian Murrho der ältere; Celtis, der »Erzhumanist«, verkörpert sogar die oberflächlichsten Jünger des Faches, ein paar Namen von poetischen Büchern des Alten Testaments in der Vorrede zu seinen Quatuor libri amorum (1502)4) sind die einzigen gedruckten Denkmäler seiner Studien, und sie erscheinen dort nur als leere Ostentation ohne Hintergrund, sie hätten ebenso gut oder besser mit den allen geläufigeren Bezeichnungen der Vulgata angegeben werden können5). Wenn wir so Celtis getadelt haben, müssen wir ihm ג) Vrgl. den Brief des Rud. Agricola an Alexander Hegius bei K. Krafft und W. Crecelius, Beiträge zur Geschichte des Humanismus am Niederrhein und in Westfalen, 8. Auf diesem Briefe beruht die von Ullmann, a. a. O. 368 Anm., wiedergebene Äusserung Melanchthons über das Verhältnis zwischen Johann Wessel und Rudolf Agricola. 2) C. Ullmann, a. a. O. 342. Hierzu auch der Brief an Hegius. 3) Celtis sagt in dem Epigramm Ad lectorem bei seiner Ars versificandi von Agricola: Quique mihi tribuit aliena ydeomata: grecos Noscere et hebreos: doctus utrosque legens. IB. No. 32. Erste Ausgabe. 4) 1B. No. 32 a. 5) Bezeichnend für die Oberflächlichkeit solcher Lehrer des Hebräischen ist die Cod. hebr. Monac. 401, k. 224, 225 aufbewahrte Ankündigung, wonach sich Johannes Böschenstein, Kaiserlicher Maiestät Kapellan, erbietet, jeden in sieben Tagen zu lehren, hebräischteutsch schreiben und lesen. Mariae Magdal. 1518. 6*