Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 81 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. 81 liehen und natürlich auch unter populären Einflüssen gestanden. So konnte 1511 noch Reuchlin seinem Gegner Pfefferkorn auf die Unterstellung, er habe gern vor Fürsten und Herrn mit seinem hebräischen Wissen geprunkt, ant- Worten1), dass ihm dies »vil mer zu verclainerung dann zu ainem lob« gedient haben würde, und Konrad von Heresbach hörte ein Jahrzehnt später einen Mönch von der Kanzel äussern2), wer Hebräisch lerne, werde sicher ein Jude, und 1536 noch sagte in Ingolstadt der Hebraist Nicolaus Winmann in seiner Antrittsrede3), von der Erlernung der Sprache dürfte der Ekel nicht abschrecken, dass sie als Umgangssprache von den elenden Juden gesprochen worden sei. Ganz sonderbar dünkt ein Vorurteil, das von einer Seite, von der man das gar nicht erwarten würde, von einer realen Wissenschaft, wie man sie damals fasste, von der Astronomie oder besser Astrologie, ausging und das doch wegen der Macht des astrologischen Aberglaubens auch beachtenswert ist4). Der später als Astronom berühmte Ingolstädter Philosoph, Theologe und Humanist Andreas S t i b o r i u s5) hatte 1493 zu einem Besuche bei dem Astrologen, Humanisten und Domherrn Johann Tolhopf6) in Regensburg ף Augenspiegel, fol. XXXV b. 2) Konrad Heresbach, De laudibus graecarum literarum oratio etc. IB. No. 39, 26 b: *Tandem subijeiens, et aliam iam oriri linguam vocatam Hebraeam, qui hanc discunt, efficiuntur Judaei. ף Nicolaus Winmann, Oracio in sanctam hoc est hebraicam linguam etc. IB. No. 65. Zu Winmann vergl. G. Bauch in der Zeit״ schritt des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, Jahrg־, 1903. Beiträge zur Litteraturgeschichte des schlesischen Humanismus V. 4) W. H. B., Codex epistolaris des Konrad Celtis, III, 8. 5) Zu Stiborius vergl. G. Bauch, Die Anfänge des Humanismus in Ingolstadt, 106 f. 6) Zu Tolhopf (Ianus Tolophus) vergl. G. Bauch, a. a. O., 5 f. Als Humanist wird Tolhopf ausdrücklich bezeichnet in der Kölner Matrikel, 1499 November 3 : Magister Johannes Toelhoeph, doctor decretorum, sancte sedis Apostolice cubicularius, ecclesie collegiate Monatsschrift, 48. Jahrgang. ß