Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Über Abraham bar Chijja's "Buch der Enthüllung"
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 554 (sequence 10)
- Language
- German
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554 Uöber Abraham bar Chijjas Buch der Enthüllung. ,schon vor 11 er sinaitischen Offenbarung einzelne weise und fromme Männer, wie Nou, die Patriarchen u. A., aber ihre Weisheit verbreitete sich nicht über die Zeitgenossen, wie sich das Licht in den drei ersten Schöpfungstagen nicht über die Erde verbreitete, während mit der Offenbarung das Licht der göttlichen Weisheit Allen zugänglich wurde, wie sich am vierten Schöpfungstage das Licht der Erde mittheittc. Von den beiden Lichtern des vierten Tages ist das grosse ein Hinweis auf die schriftliche und das kleine ein Hinweis auf die mündliche Lehre; die Sterne weisen auf die Borahha's, die Mechilta, die Agadoth, oder auch auf die externen Wissenschaften hin. Beim fünften Sehöpfungstago steht nicht, wie bei den anderen, דוד ין, um anzudeuten, dass die in der fünften Weltperiode erfolgende Zerstörung des Tempels nicht für immer dauern werde. Beim sechsten Schopfungstag wird nur von der Schöpfung der Thiore und nicht von der cles Menschen gesagt, dass sie gut sei, weil in der sechsten Weltperiode das Glück und die Wohllaut nur bei den den Thicren gleichenden Völkern anzutreffen sind, das an der Thora festhaltende Israel hingegen den Leiden des Exils ausgesetzt ist. Am Schluss des sechsten Schöpfungstages aber heisst es: ״Und Gott; sah Alles, was er geschahen, und siche, es war sehr gut.״, weil die sechste Weltperiode in die Zeit des Heils und des ewigen Lebens einmünden wird, die alle Leiden des Exils werden vergessen machen1). Wie am .siebenten Schöpfungstage die Weltschöpfung vollendet war, d. h. alle Dinge, die einst zur Wirklichkeit gelangen sollten, der Möglichkeit׳ nach geschaffen waren, so werden in der siebenten Weltperiode alle der Möglichkeit nach vorhandenen Dinge zur Wirklichkeit gelangt und demgemäss die Weltzeit abgelaufen sein. Würden wir also das Zeitrnaass jeder einem Schüpfungstago entsprechenden Weltperiode kennen, so würde sich daraus, indem wir dieses Zeitrnaass versiebenfachen, mit Sicherheit die Zeit des ganzen Weltbestandes ergeben. Gestützt auf Ps. 90, 4: ״Denn ein Jahrtausend ist in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen, und wie eine Wache in der Nacht“, haben nun unsere alten Weisen die Dauer eines Welttages oder einer Weltperiode auf 1000 Jahre bemessen, wogegen sich jedoch der Einwand erheben lässt, dass doch 1000 Jahre nicht einem ג) Fol. 190 b —195 a. Diese ganze Ausführung findet sich in ihren Grundzügon auch in Bachja ben A.schere Pentat.-Commentar zu Genes. 2, 3 und ist dort unzweifelhaft aus unserer Schrift entlehnt.