Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 531 (sequence 18)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnucks Uber das Wesen des Christenthums. 531 Grundlinien enthalten. Die Verhältnisse dieser Prosolyten, wie Die Anschauungen der einzelnen Lehrer über sie waren zu verschiedenartig für genaue gesetzliche Umgrenzungen. Aber klar tritt die allgemeine Grundanschaining in folgenden \V orten eines dem 2. nachchristlichen Jahrhundert ange• hörigen Lehrers1 2) uns entgegen, der zu dom Schriftverse 3׳ B. M. 18, f>) ״beobachtet meine Gesetze und mein(‘liechte die der Menseh erfüllen soll, und durch die er lebt“ erklärt: Der Nichtjude, der das göttliche‘ Gesetz erfüllt, steht selbst dem ILohenprie-tei• gleich, denn es heisst bei diesem Gebote ״ w eiche de v M eiuscli erfüllt und du rc h d i e e יו L e Le n g e w in n t“. ..0 e ff n e t die Pf 0 r t 0 11, ruft Jesaias aus (2(>, 2) und fährt■ fort nicht etwa, d;1 s s Priester, Leviten und Israeliten e i n z i 0 11 0 n, sondern ״.ein g 0 r c 0 11 tos V o 1 k, rl a s di e T reue b e - w a h r t.“ ״T u e g u t e s, o G o t- U, lautet, ein Gebot der Psalmen (120, 4) -— nicht fiir Priester, Leviten oder Israeliten, sondern — ..d <• n G u ז o n u 11 d d e ״ e n d i e ge r a den He r z n 11 s s i n d.“ Diese und ähnliche Stellen lehren uns also, auch der Nichtj!ade, der dis göttlich•׳ (des־*t,z erfüllt, stohr. dem llohenprieater gleich.״ Min warmer Hauch clor Liebe für alles, was wahrhaft menschlich ist, spricht aus solchen Worten ergreifend uns :ui, und sie bekundet sich ebenso in der AufstelUuur eines hesondern Begriffes הכירי oder צדיקי אוג״וה העולם ,.die Gerechten, oder die Prominen der Völker der Welt*4, denen .der ,,Anteil an der künftigen Welt“ verheissen wird־).!Vllerdings hat es auch an engherzigen und beschränkten Meinungen einzelner Lehrer in dieser Beziehung nicht, gefehlt. Aber gerade sie waren keine Glaubenslehren, sondern individuelle Meinungen, Rückwirkungen der Feindschaft, die den Juden so vielfach entgegen trat, Folgen bitterer Erfahrungen, wie jener Ausspruch eines Lehrers aus dem vierten nachchristlichen Jahr* .hundert, der die Proselvten als ״eine harte Plage für Israel, gleich dem Aussatze,“ erklärte3). Sic wurden durch andere Erfahrungen leicht überwunden, die Betätigung von Gevcchtigkeit und ein liebevolles Verhalten von Niehtjudon stets mit vollster Dankbarkeit anerkannt. Und in feierlicher Form sprach ein Lehrer des Midrasch es aus: ״Himmel und J) Kabbi Meir Sanhedrin 59 a und Siphra Z. St. 2) Tosifta Sanhedr. 13, 2. :<) Jebaui. 47 b. 34*