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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 6 · p. Seite 529

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 6
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 529 (sequence 16)
Language
German
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,Die Vorlesungen Hariuicks über das Wesen des Christent-huma. 52(J Gebote zu erfüllen. Sie wurden um dieser freiwilligen Uebernähme strenger Pflichten willen ״Proselyten der Frömmigkeit“ נרי צדק genannt und als grösser gepriesen wie die geborenen Israeliten1). Aber von Niemanden wurde ein solcher vollständiger Eintritt. in das Judenthum verlangt; wer sieh Ireiwillig meldete, wurde vielmehr auf die Strenge seiner Forderungen hingewiesen2). Von denjenigen, die nicht seinem engeren Kreise angehörten, verlangte das Judenthum nur die Anerkennung eines höchsten Gottes und die Beobachtung der einfachsten Sittengesetze. Das sah es gewissermaßen als die natürliche Religion aller Menschen an. Demgemäss sah es auch von vornherein die Erkenntniss des Wahren und Guten nicht auf den engen Kreis seiner Bekenner beschränkt an. Neben einem Abraham, der ihm der Vater' seiner Gottesei־- kenntnis war, wird in der Bibel*) von einem König Maiki- Zedek von Salem berichtet, der ״ein Priester war des höchsten Gottes“. Das Buch Hiob mit seiner ergreifenden Erzählung und seinen tiefsinnigen Reden über Gottes Grösse und Weisheit, wie über die Geheimnisse seiner Wege, über die Gerechtigkeit des Menschen und den stolzen Mut, mit dem das Bewusstsein von ihr auch in Leiden und Bedrängnissen ihn zu erfüllen vermag, führt uns unter Männer u i c 11 t i s r aclitischer Frömmigkeit, und nennt den Araber Iliob selbst einen ״Knecht Gottes, desgleichen nicht auf Erden ist fromm und gerade gottesfürchtig und weichend vom Bösen1). Ebenso beurteilen die israelitischen Propheten andere Völker rein nur nach dem Massstabe der Gerechtigkeit. >0 erhält der Prophet Jona von Gott den Auftrag, der heidmachen Stadt Ninive den Untergang anzudrohen, nur wegen ihrer ״Bosheit“. Und wie sie ablassen, ״von ihren bösen Wegen und von der Gewalthat in ihren Händen“, verzeiht ihnen Gott, der ״gnädig und erbarmungsvoll, langmütig und reich an Liebe ist und sich bedenkt wegen des Bösen5)u. In den Städten Israels wohnten seit den ältesten Zeiten vielfach ״Fremdlinge und Beisassen“, die sich nicht nur *) Midrasch Tanchuma 7.u 1. B. M. 14, 1 a. Philo de oxeratioue II 435, de nobilitate II 443, Vgl. d. ähnl. Stelle im Brief Pauli au die Römer 11, 13 ff u. Fiiediander a. a. 0. S. 300 ff. 2) Talni. b. Jobamot 47 a. I. B. M. 15, 18 f. <) 1, 8. &) 3, 8 ff, Monat«»onrift;, 47. Jahrgang, 34

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