Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 528 (sequence 15)
- Language
- German
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520 Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. sein (Matth. 23, 15); es war dem Judentluim doch ernst damit, die stummen Götzen zu stürzen und die Heiden zur Anerkennung des Schöpfers und Richters zu bewegen; die Ehre des Gottes Israels war dabei betheiligt“. Selbst nach Harnacks Auffassung hat also das Judenthum von dem grossen Kreis der Heiden, denen es religiöse Belehrung bringen wollte, nicht den Eintritt in seine Gemeinschaft und die vollständige Annahme seiner Glaubensvorstellungen und religiösen Verpflichtungen verlangt, sondern es hat ausser der Anerkennung Gottes nur rein sittliche derungen an sie gestellt• Daraus ergaben sich a 1 1 e r d i n g s verschiedene Formen und Stufen des jüdischen Proselytismus. Aber gerade diese Verschiedenartigkeit, die Anerkennung der religiösen und moralischen Wlu־- digkeit auch derjenigen Heiden, die nur die elementaren religiösen Lehren und die Forderungen des natürlichen Sittengesetzes annahmen, bekundet eine Klarheit über die Katur des menschlichen Geistes, über die vorsch i e d en artigen Voraussetzungen und Bedingungen seines Denkens und seiner Glaubensvorsteilungen, eine Erkenntnis des N 0 111 w e n d i g e 11 und allgemein Menschlichen, die vom geschiehtiichen, wie vom religiösen Standpunkte aus rühmend anzuerkennen sind, und die vom Christenthum leider später wieder aufgegeben wurden. Das Bestreben des Judenthums, auch die Heiden für seine wichtigsten Lehren zu gewinnen, ergab sich nicht aus einer ״durch innere Umbildung erfolgenden Entschränkung“, sondern es lag in seinem Wesen wie in seiner Geschichte. Hie beschränkenden Gesetze in ihm galten von vornherein, nur für die Söhne und die Gläubigen Israels. Ihrer Eigenart wie ihrer Strenge war es sich wohl bewusst. Aber sie hingen ihm zusammen mit der ihm gegebenen Bestimmung ״ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk“ zu sein1). Um dieser Bestimmung willen wurde es vom Propheten Jesaias ein auserwähltes Volk ״der Knecht Gottes“ genannt“2). Dafür hat das Volk als Ganzes, wie in seinen einzelnen Gliedern, ein Martyrium sondergleichen ertragen. Diejenigen, die aus a nd 0 r n V ölkern sich ihm vollständig anschliessen wollten, hatten, wie das Gebot der Beschneidung, 80 auch alle übrigen J) 2. B. M. 19, 0. 3. B. M. 11, 45. Vgl. Gfrörer a. a• 0. I, 486 ff. a) 41, 9 ff., 42, 1 ff. u. öfters.