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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 6 · p. Seite 527

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 6
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 527 (sequence 14)
Language
German
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Die Vorlesungen Hiirnucks über (las Wesen dos Christonthums. 527 Väter haben Schätze für die Erde gesammelt und ich für ein Höheres. Sie haben Dinge gesammelt, die weiterkeine Früchte bringen, was ich gesammelt, das bringt seine Früchte. Sie haben Schätze an Mammon gesammelt und ich an Seelen .... Sie haben für andere gesammelt und ich für mich . . . Sie haben für diese Welt gesammelt und ich für die künftige, denn es heisst beim Propheten Jesaias (58, 8): ״Deine Gerechtigkeit wird Dir vorangehen und die Herrlichkeit Gottes Dich aufnehmen.“ 7. Die T 11 a t 8 a c 11 e der weiten V o r b r e it u n g jüdischer Lehren zur Zeit der E n t 3 t eh u n g des C h r i s t e n 111 u m s hat erst in neuerer Zeit die ihr gebührende Würdigung gefunden, und sie erfährt auch heute noch nur widervyillige Anerkennung und eine ,vielfach missverständliche Auffassung. Sie ist eben schwer vereinbar mit der bei den christlichen Thcologen herrschenden Unterschätzung des Judenthums, mit ihren Vorstellungen von seiner Engherzigkeit und nationalen Be־ schränktlioir, seiner Verknöcherung und seinem Aufgehen in leerem Ceremoniendienst, die erst das Christenthum überwunden und aus der es zu einer rein geistigen Religion der Menschheit sich erhoben habe. Ueberaus belebrend sind in dieser Beziehung die Worte llarnacks1): ״dass eine Religion, welche eine so starke Scheidewand zwischen sich und allen andern!Religionen aufrichtete und in ihrer praktischen Darstellung und in ihren Vorheissungen so innig mit dem Volksthum verbunden war, einen so lebhaften Missionstrieb besessen und so grosse Erfolge erzielt hat, ist erstaunlicli. Letztlich ist dies doch nicht aus Herrschsucht und Ehrgeiz zu erklären, sondern ist ein Beweis, dass das Judenthurn als Religion durch innere Umbildung bereits ontschränkt war. Der Jude fühlte stolz, dass er in der Welt etwas zu sagen habe und etwas bringen müsse, was die ganze Menschheit angehe — den einen geistigen Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, und sein heiliges Sittengesetz — und aus diesem Bewusstsein heraus (Römer 2, 19 f.) empfand er die Missionsverpflichtung. Die jiidisehe Propaganda im Reich war primär die Yerkündigung des einen Gottes, seines Sittengesetzes und seines Gerichtes; alles übrige trat ihr gegenüber zurück. Mochte es in vielen Fällen auf blossen Seelenfang abgesehen נ) Mission u. Ausbr. d. Cbristenth., S. 8.

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