Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 522 (sequence 9)
- Language
- German
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522 Die’ Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. den Kirchenvätern, bis zu Ambrosius hin, nachweisen las«• 8en 1J, Diese, die v e r s c liied ensten religiösen, morn■■ lischen und philosophischen Gegenstände behand e i n d c n und allgemein verständlichen Y 0 rtrage haben der Synagoge auch heidnische Zuhörer gewonnen. Syrer und Aegypter, Griechen in Kleinasien und Hellas, wie auch die Römer, von denen Iüoraz und Juvenal sprechen, mochten wohl zum ersten Male nur aus Neugierde ihre Schwelle überschritten haben. Dass sie wiederkamen, ״Gottesfürchtige“ und ״Judengenossen.“ wurden, das haben keine abergläubischen Gebräuche bewirkt, keine drohenden Verkündigungen eine3 bevorstehenden Weltgerichts, auch nicht allein die Lehren von einem Gotte und die reinen und erhabenen Vorstellungen, die von ihm gegeben wurden, sondern der edle, sittliche und menschenfreundliche Geist, der mit ihnen verbunden war, die scharfe Vcriirtheilung alles Bösen, insbesondere der moralischen Gebrechen, an denen das Heidenthum krankte2), der Kampf gegen alle Ungerechtigkeit und Tyrannei, der die Propheten und Psal- *men durchzieht, die Gebote des Rechtes, der Keuschheit und strengen Sitte, wie die Mahnungen zur Güte und freundliehen Hilleleistung, die aus den heiligen Schriften verlesen und eingehend erklärt wurden. Mit vollem Recht konnte daher Philo die jüdischen Bethäuser Schulen der Einsicht, Festigkeit, Sittsamkeit, Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Heilig׳ keit und jeglicher Tugend nennen, durch welches Göttliches und Menschliches erkannt und aufgerichtet wird3־״); 5. Diese Betliäuser boten den Heiden, die sie besuchten, auch die Gelegenheit, die Juden selbst kennen zu lernen und die Vorurtheile und Irrtbümer zu berichtigen, die über sie im Schwange waren, —.Religionen und Nationen sind selten gerecht gegen einander. Mit den natürlichen und geistigen Yerschiedenheiten verbinden sich leicht noch weitere Gegensätze der Interessen und Ziele. Und die dadurch erzeugte Spannung־ der Gemüther erschwert das gegenseitige Verständnis und die Anerkennung guter Eigenschaften und Leistungen. 1) Fiomlentbal a. a. 0. S. 4—3(3 u. Note 5, S. 137 ff. Vgl. auch Siegfried a. a. 0. 371 ff. 2) Von ihnen gibt der 7. der sogenannten heraklitischen Briete eine Musterkai te. Vgl. die Ausgabe von Bornays S. 64 ff. •י) ■Vita Mosis IT, 168. Vgl. Schürer Ila, 451, III, 92 ff. Friedländer, Geschichte der jiid. Apologetik, Zürich 1903, S. 223 ff. Havet 111,471 q.