Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 521 (sequence 8)
- Language
- German
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Die "Vorlesungen Harnaeks Uber das Wesen des Christoiithums. 021 suchten, so sind sie der Richtung und den Anregungen Philo's gefolgt, seiner Lehre von Gott wie seiner Ethik1). Insbesondere aber wurde Philo von grössten! Einflüsse auf die Entwicklung dies Christenthums, als. dieses nach Jesu Tode in die griechisch-römische Welt eintrat. Lehren und Gedanken, Begriflc und Bilder, Schriftdeutungen und Redewendungen in den Briefen von Paulus stehen der seinigen vielfach sehr nahe. Die starke Betonung des Glaubens, der Liehe und der Hoffnung, wie auch der göttlichen Gnade findet sich bereits bei ihm. Iler Logosbegriff des Johanne'־'- evangeliums ist aus dom «einigen entwachsen״ .(״Die Rewegung, die das Christenthum erzeugt hat“, sagt i luvet, ״ist n i ch t aus dem n 1 ex and 1• i n i so 11 e n Judcnthuin hervorgegangen, wohl aber die christliche T h e 0 1 o g i e; die christliche, P h i 1 o s 0 p h i 0, das Christenthum der Kirchenlehror und Concilien stammt zum grossen Theil von dort.“ Und ebenso nennt ihn .llausrath ״den Vater der ganzen patristischen Religionsphilosopliie und nicänisclum Theologie“11 *). Die!Sprache Philo‘*? ist stark rhetorisch, bilderreich, vielfach warm und ergreifend, nicht selten aber auch überschwänglieh und von salbungsvoller Breite. Seine Schriften sind oben aus Vorträgen entstanden, welche er in den Synagogen über einzelne Bibelabschnitte gehalten hatte, und die er sodann zu einer in sich zusammenhängenden Schrift verarbeitete4)• Lbul dieser ihr Ursprung zeigt uns eitie weitere Statte, von der aus die Lohron de* Jiulouthums weit hinaus in heidnische Kreis© drangen. Griechen und Körner haben ja religiöse Vertrüge nicht, gekannt. Sie entstanden erst bei don Juden im Anschlüsse an die Vorlesungen aus der heiligen Schrift und entwickclten sich allmählig zu kunstvollen Predigten, die bei den hellenistischen Juden nach den Formen und Regeln der griechischen Rhetorik aufgebaut waren. Sie waren die Vorbilder der christlichen Kanzelberedsamkeit, und starke, grosse Partien umfassende Entlehnungen haben sich aus den wenigenuns erhaltenen griechisch-jüdischen Predigten bei ג) Siegfried, Philo, S. 275 ff. *) Gfrörer, Philo und die alex. Theosophie I, 457 ff. Siegfried a. a. 0. 805 ff. *) Havet III, 403 iV. Hausrath Kl. Sehr., S. 4. 4) Frankel, über paläst. u. alexandr. Schriftforschung (Breslau 854) 33. Vorstudien zur Septuaginta, 52 ff.