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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 6 · p. Seite 519

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 6
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 519 (sequence 6)
Language
German
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Die Vorlesungen Harnack.s über das Wesen dos Cliristunthuius. T>1^ nistischen Juden für die Darlegung der Lehren ihrer heiligen Schriften einer neuen Zeit und einer anderen Bildung gegenüber bedienen wollten, und sie haben mit Bewusstsein nur diejenigen angenommen, die sic? mit ihren jüdischen Grundansehauungen für übereinstimmend hielten. Unwillkürlich mussten dabei allerdings auch fremde Gedanken in dies(,1 einströmen. Die Lehre vom Logos insbesondere, die Philo entwickelte, entstammte in ihren ]Elementen den philosophischen Systemen der Griechen und sollte den unter ihrem Einflüsse allzu abstmet gefassten Begriff von Gott mit den biblischen Vorstellungen von seinem Walter! in der WeLt und seiner Offenbarung in Einklang bringen. Ein aus der gleichen Quelle stammender scharfer Gegensatz von Geist und Materie, Ideen und Sinnenwelt, ein sublimes, nur dem Grossen, Erhabenen, Allgemeinen zugewandtes Denken führte nicht selten zur V«1׳- kennung und Unterschätzung der realen Verhältnisse■ des Lebens; man allegorisierte, d. h. man deutete Personen, Erziihlungen und Gebote der heiligen Schrift als Bilder und Hüllen für die in ihnen verborgenen Gedanken, man verflüchtigte sie damit und löste sie in wesenlose und unfruchtbare Begriffe auf. Wenn damit auch die alexandriniseli-jüdische Religions- Philosophie dem Zeitbewusstsein und der griechischen Eildüng ihren Zoll darbraehte, so hat sie doch den wesen tliehen Inhalt der jüdischen Lehren festgehalten; den Zusammenhang mit dem palästinenischen ,Judenthum hat sie treu bewahrt, die von ihren Deutungen unabhängige Verbindlichkeit der religiösen Gebote und Pfiichten betont, die Kraft' und Wirksamkeit des Judenthums auch in ihm ursprünglich fremden BildungsveriüLlinissen erhalten und zu einer neuen Entwickelung gebracht1). Sie bereits, nicht erst das C 11 r i s t e n t h u m , hat die Verschmelzung griechischphilosophischer Weisheit mit der Kraft und Fülle d e r religiösen L o 111־ cmi der Bibel vollzogen, und die Gestalt, die sie diesen gab, hat ihnen den Zugang zu weiten Kreisen der heidnischen Welt erö f f n e t2). 1) S. Ewald, Geschichte des Volkes Israel, IV3, 310 IV. 626 ff, VI« 264 ff. Schürer III3, 303 ff. 876 ff. 2) Havet a. a. 0. III, 383.

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