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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 6 · p. Seite 518

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 6
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 518 (sequence 5)
Language
German
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51S B’w Vorlesungen llarnucks über das Wesen des Christenthums. religiöse Kruft. Wie den Juden in Babylonien, so blieb auch ihnen ihr heiliges Sehrittthum der Quell ihres religiösen und sittlichen Lebens. Mochten sie auch mit noch so viel Bewumlorung aut die hohe Begabung der Hellenen, auf den Iiuhm ihrer Geschichte, auf die Grösse und Schönheit ihrer Dichter und auf die Weisheit ihrer Philosophen blicken : in der Erkenntnis und im Dienste Gottes, in der Reinheit der Sitten und der Gerechtigkeit des Thuns, waren sie vom höheren Werthe des Judenthutns überzeugt und kennzeichneten mit scharfen Ur- :heilen für den eigenen Kreis, wie auch in Schritten, die weiterhin dringen und das Hoidenthum selbst belehren sollten, dessen niedrige Vorstellungen vom Göttlichen und die Mängel seiner Sittenlehren wie seines Lebens. Bei diesem Kampfe fühlten sie sich aber auch in Ueboreinstimmung mit dem, was sie vom Griechenthum am meisten verehrten, mit der Weisheit seiner Philosophen. Sie fanden bei ihnen einen Begriff Gottes,0 0>/, der Seiende, den sie dem von der heiligen Schrift gegebenen (2 B. Mos. 3, 14 und Jerern. ö2, 17) nahestehend erkannten, und Gedankengange, denen ihr Geist willig folgte. Vor allem haben zwei philosophische Systeme tief auf das Geistesleben der Juden eingewirkt. ״Plato übte durch die Hoheit seiner Gedanken, durch den fast prophetischen Schwung seiner Sprache, durch die geheimnisvolle Tiefe seiner Mythen einen Zauber auf die jüdische Welt aus, von dessen gewaltiger Wirkung die Schriften Philo’s zeugen. Das stoische System aber fesselte auch die bibelgläubigen Juden durch die straffe Richtung seiner Ethik, die aus der philosophischen Zerrisseneit und der moralischen Verkommenheit des nachalexandrinisehen Heidenthums in die Stille der Entsagung und der Selbstbetrachtung flüchtete. In der stoischen Ethik glaubte man bald genug den Boden gefunden zu haben, auf dem die ängstlichste religiöse Gewissenhaftigkeit der freien Speeulation des fremden Volkes die Hand reichen dürfe*1). Neben diesen haben, wenn auch in geringerem Grade, pythagoreische Lehren, insbesondere ihre Zahlensymbolik, und aristotelische das Denken der hellenistischen Juden beeinflusst und ihre Anschauungen in mannichfachster Weise beherrscht. Es waren im Wesentlichen nur die Formen und Begriffe der griechischen Philosophie, deren sich die hellel) Freudenthal, das 4. Makkabäerbucb. Breslau 1869, S. 40 ff.

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