Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 517 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Vorlegungen Harnacks über das Wesen dos Christen thums. 517 der Weltschöpfung, durch die Vorkenntnis der Zukunft, durch die Vortreffiichkeit ihrer Verordnungen, und weil sie die alles beherrschende einheitliche Macht Gottes lehrten. So wurde meine Seele von Gott unterrichtet, und ich sah ein, dass die anderen Lehren zur Verdammiss führen, diese aber die in der Welt herrschende Knechtschaft lösen und uns den vielen Gewalthabern und unzähligen Tyrannen entziehen. Nicht bringen sie uns etwas, was wir nicht schon empfangen hätten, wohl aber etwas, was wir, obgleich wir es empfangen haben, durch den Irrthum verloren hatten* *‘1). Der Schreiber die>er Worte ist in Rom in die Kirche eingetreten, aber das Buch, das ihn ergriffen hat, ist das Alte T esta me n t, Wie es tiir ihn ״die Brücke vom Ileidenthum zum Christcntlium“ war, so hat es früher, wie auch später noch der Synagoge zahlreiche Proselyton gebracht und einen älteren Zeitgenossen von ihm, den Griechen Akylas aus Pontus vom Christerithum, dein er sich zuerst angeschlossen hatte, zum Judenthum geführt.. Er hat sodann eine neue wortgetreue griechische Uebersetzung der heiligen Schrift für die Juden veranstaltet an Stelle der friiheben, der Septuaginta, deren von ihnen zum Theil entstellten Text ״die christlichen Theologen in ihrem Interesse ausbeuteten“ 2j. An die griechische Uebersetzung der Bibel schloss sich eine weitere ausgedehnte Litteratur, die ihren Inhalt iin Einzelnen darzulegen, poetisch zu verherrlichen, philosophisch zu erklären, durch geschichtliche und sachliche Auseinandersetzungen in ihrem Werthe und in ihrer Bedeutung eingehend zu begründen suchte. l)ie Juden der hellenisirten Länder, insbesondere Aegyptens und Kleinasiens, hatten nicht nur die griechische Sprache als ihre Muttersprache angenommen; auch die griechische Bildung, ihre Schönheit, ihre künstlerische Vollendung und die Fülle von Geistund Weisheit, die sie in sich barg, hatte mächtig sie ergriffen. Aber selbst dieser grossen Culturmacht gegenüber, die alle Völker der griechisch-römischen Welt bezwang, bewahrten sie in ihrer grossen Mehrzahl ihre jüdisohe Eigenai’t und J) Oratio 29 b. Harnack, die Mission, S. 205; vgl. das. noch die Worte Justins und den Bericht der Apgach, 8, 20 fcT. von dem Kammerer der Königin Candaee von Aethiopien, der den Propheten Jesaias ias. *) Schürer III;k 318 f.; Hausrath kl. Schriften 128 f.; Grats Geschichte IV.2 113 ff.