Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 3)
- Language
- German
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f)lG Di« Vorlesungen H'urnacks über das Wesen des Christenthums. einen! hartnäckigen Aufstande sich erhoben hatten, der den Anschluss von Körnern an ihre Religion wie einen Yerrath an ihrem eigenen Vaterlande betrachtete und die lächerlichsten Fabeln über ihre Geschichte wiedergab, schreibt doch nicht ohne Zeichen von Anerkennung: ״Die Juden erfassen nur im Geiste den einzigen Gott, den sie verehren. Als gottlos betrachten sie die, die Bilder von Göttern in vergänglichen Stoffen nach der Gestalt der Menschen sieh verfertigen. Ihr Gott ist ein höchstes, ewiges, unnachähnliches, unvergängliches Wesen. Daher dulden sie keine Bildsäule von ihm in ihren Städten, noch weniger in ihren Tempeln, und gewähren ebensowenig diese Huldigung de* *11 Königen und diese Ehre den Kaisern*1). 3. Die Anerkennung und Kaclialummg, welche die religiösen Lehren der Juden in weiten Kreisen der griechischen und römischen Welt fanden, war zu einem grossen Theil der T 11 ä t i g k e l t der h e 11 e 11 i s t i s e h e n, d. h. griechisch sprechenden Juden, zu verdanken. Die im dritten vorchristlichen Jahrhundert entstandene liebersetzun.u der heiligen Schrift in die g r i e c h isehe Sprache, die sogenannte Septuaginta, ״in der Geschichte des menschlichen Geistes das erste Beispiel von Uebcrsetzung einer ganzen Litteratur in eine völlig fremde Sprache*ף hat die grösste Bedeutung für die Weltgeschichte gewonnen. Sie diente nicht nur dem gottesdienstlichen Gebrauche der griechischen Juden und ihrer religiösen Erbauung, sie ist auch mit Recht ״der erste Apostel* genannt worden, ״den das Judenthum an die Heidenweit ausgesandt hat.* Sie drang in der griechischen Weltspräche in die verschiedensten Kreise der Gebildeten ein und ■wie sie aut geistesverwandte Gemüther gewirkt hat, dafür haben wir ein lehrreiches Zeugnis aus dein zweiten nachchristlichen Jahrhundert: ״Als ich ernstlich das, was frommt, erwog*, berichtet der griechisch schreibende Asayrer Tatian, ״fielen mir einige barbarische Schriften in die Hände, älter als die Lehren der Griechen und göttlicher als ihr Irrthum. Diesen gelang es, mich zu überzeugen und zwar durch ihren schlichten Ausdruck und die unstudierte Einfalt ihrer Verjas8örs durch die leichtfassliohe Darstellung ג) Hist. V, 5. *) Coraill, Eiultg. i. d. A. Test. 297.