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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 6 · p. Seite 508

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 6
Article
Der Nomos
Date
1903-01-01
Page
Seite 508 (sequence 19)
Language
German
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Der Nomos in phiionischer Beleuchtung. DOS Was or dann von der Feier des Versöhnungstages sagt, rückt dieselbe völlig in das Licht einer Jieligionsentwickclung, wie sie das Judentlium in seiner Zeit und bereits früher zu erfahren angelangen und wie sie noch heute andauert. Kr sagt darüber wörtlich wie folgt: der Tag ist ganz der Gebetverrichtung . geweiht, indem die Menschen an ihm nur das eine thun, dass sie die flehentlichsten Bitten emporsenden, durch die sie die Gottheit zu versöhnen behissen sind, Verzeihung erlichend für Verfehlungen, wissen!- liehe und unvorsätzliche, und frohe Hoffnung fassend, nicht um des eigenen Verdienstes willen, sondern wegen der Gnadennatur desjenigen, der lieber Vergebung gewährt als dass er Strafe verhängt (De Sept. II. 296 ff.). Nur an dieser einen Stelle ist"s, dass er des Hauptmoinonts des Tages, de»* Versöhnung, gedenkt, ohne auch da darin mehr zu sehen, als Straferlass, nicht aber den innersten Korn der Sache, auf den ihn die Schrift selbst hätte füllten können, dass es eine Läuterung, ohne Wiederherstellung des moralischen Menschen ist. Weiter aber sieht man: Nicht mit einer Silbe wird des so viel umfassenden, hoehbedeutsameu Opferdienstes, wie er für ■diesen Tag für den Tempel zu Jerusalem ■vorgesehen worden, und wie er doch zu seiner Zeit noch bestanden haben muss, bei ihm Krwähnung gothan. Es ist auch nicht die leiseste Erinnerung an den so feierlichen Opferdienst des Tages da. Er kennt nur Gebet und Fasten, er kennt keinen die Gemeinde im Ileiligthume sühnenden Hohepriester, er kennt nur eine betende Menge für diesen Tatr, ganz wie wir. Der Dienst des Versöhnungstages hat für ihn den nationalen Charakter, der ihm ursprünglich angehaftet, verloren; er ist ihm nach dem ganzen Zug seiner Koligionsphilosophie etwas Universelles geworden. Es scheint auch im Leben, bei den palästinensischen wie den niexandrinisehen Gemeinden, speciell die Feier dieses Tages frühe über das Nationalheiligthum, über die Beschränkung auf Opferdienst und Tempelritual hinausgewachsen und, in die zu allgemeinem Gebrauch bestimmten Prosenehen als Gebetsgottesdienst, von denen er uns überkommen, cingezogen zu sein. Auch ganz moderner Anschauung, die auch in der Schrift selbst begründet ist, entspricht es, wenn Philo darin das grösste der Feste erblickt, was er hier, De Sept. besonders hervorhebt. Unerklärt bleibt nur, dass Ph. nicht hier I)e Sept., sondern De Vict., wo recht eigentlich die Stelle

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