Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Nomos
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 506 (sequence 17)
- Language
- German
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506 Der Nomos in phiionischer Beleuchtung. neu aufgekommene Name in halnchischer Hinsicht, gegenüber der durch die LXX. vertretenen Auflassung des Gebots des Versöhnungstages ועניתם את נפשותיכם als blossen ׳ד׳/; b'jyiz Ouoiv, wie von gewisser Seite noch immer in abschwächender Weise zu erklären versucht wird. Sei es nun, dass solche Uebersctzung bloss exegetische Bedeutung gehabt, sei es aber auch, dass auch im Leben die Frage, ob vielmehr die concretere Casteiung des Leibes gefordert werde, zwischen Alexandrinern und Palästinensern controvers gewesen, der für das Fest und zuerst eben bei den Alexandrinern allgemein gewordene Name des Fastens beweist auFs Evidenteste, dass die concretere Auffassung des biblischon Gebots allgemein bereits zu Pliih/s Zeit — und Philo hat ihn nicht anders als dem Leben seiner Zeit entnommen — durchgedrungen, und ist das ein gewichtiges Zeugnis für das hohe Alter dieser halachisohen Bestimmung. In der beigefügten Begründung tritt wiederum das eigentliiimlichcBestreben unseres Religionsphilosophen hervor, griechische, speciell stoische Philosophie in das Gesetz hineinzu־ legen, so zunächst darin, dass er das Fasten um seiner selbst willen Fest sein lässt, sodann dass er als Grund desselben die ivzpxTSv/, ein durch und durch stoisches Lobcnsprincip, bezeichnet. Ist der Gedanke an sich auch richtig, dass, wer einmal gelernt, von Speise und Trank einen Tag den Sinn abzuziehen, dass es von entbehrlicheren Dingen für denselben nicht laicht etwas gäbe, gegen das er nicht gleichgültig sein könnte, und ist auch der hohe sittliche Werth, der der Enthaltsamkeit ganz allgemein zukommt, auch vom Standpunkte des Judenthunis nicht zu bestreiten; aber dass blosse Enthaltsarnkeithieroder,wie er verallgemeinernd hinzuUigt,durchgängig im mosaischen Gesetz, Selbstzweck sei, ist mehr als zu bezweifeln. Für gewisse Richtungen im Talmudismus mag dies zutreffen, für den biblischenStandpunkt nicht. Die Speise-, dieKeuschheitsgesetze der pentateuchischen Gesetzgebung, an die man zuerst da denken wird, sie haben, wie weise am Schlüsse hinzugefügt wird, Lev. 11, 44. 15, bl die ausgesprochene Tendenz, Leib und Seele des Menschen zu heiligen, den Menschen nicht in physischein wie moralischem Schmutz verkommen zu lassen. Das ist jedoch etwas anderes, als dass die absolute Herrschaft über Lust und Begierde ohne jede weitere Tendenz zum obersten Princip sittlichen Handelns, wie bei den Stoikern gemacht wird. Das Gebot des Fastens für den