Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Nomos
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 494 (sequence 5)
- Language
- German
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494 Der Nomos in philonischer Beleuchtung. schäften, insbesondere aber mit Philosophie Beschäftigten zu ergründen verlangen, wobei nichts verabsäumt wird von dem, ־wus ihn zu finden, ihn zu verehren dient, müssten doch alle Menschen diesem anhängen und nicht, andere wie aus der Maschine hervorgezauberte Gottheiten einführen, dieselbe an der Ehre des Einen teilnehmen zu lassen. Da sie nun aber in dem wesentlichsten Punkte strauchelten, machte das Volk der Juden den Fehl der Andern geradezu wieder gut. lies überspringend, was eine Entstehung gehabt, als geschaffen und der Natur nach vergänglich und nur den Dienst de י Unerschaflfenen, Ewigen sich wählend״. Kr schliesst den Passus mit den bemerkenswerten Worten: ״Ich muss mich wundern, wie Einige diesem Volke Menschenhass vorzuwerfen wagen, das doch so viel üeberschuss an Gemcinsinn, Wohlwollen gegen die Menschen allüberall hat, dass es Gebete, Feste, Spenden kurz Alles für die Gesamtheit des Menschengoschlochtes verrichtet und den wahrhaft seienden Gott für sich und die Anderen verehrt, die sich dem Dienst, den sie ihm schulden, entzogen״. Es ist dem Geschick, das auch über Bücher waltet, nicht genug zu danken, dass uns ein so wertvoller Beitrag zur jiid-alex. Religionsphilosophie wie dieser im cod. Laurentianus erhalten geblieben und nicht auch da, wie in den übrigen Handschriften, die Schcere des sinnlos kürzenden Abschreibers gewaltet hat. Es ist das, was hier Philo von der Mittlerrolle Israels lehrt, durchaus nicht mit der Theologie der Propheten zu verwechseln. Auch diese beschäftigen sich ja vielfach, mit der Frage der Mission des jüdischen Volkes; sie wissen aber für die Heideuwelt kein anderes Heil, als dass sie erst selber eingohen in den Glaubensbund, die IloJlsgomeinscliaft Israels, dass sie ״persünlich kommen zu dem heiligen Berge, daselbst Gott anzubeten״. Anders Philo. Ihm ist die Heideuwelt von Anfang an mitvertreteu beim Dienste, den Israel Gott weiht. Phüo geht weiter noch. Er sublimirt den Gedanken bei Gelegenheit der Symbolisirung der Hohepriesterkleidung (De Monarchia. II § 6 ed. Rieht. II, 227 M.) ״Mögen sonst die Priester״, sagt er daselbst, ״Gaben und Opfer für Verwandte, Freunde, Mitbürger allein verrichten : der Hohepriester der Juden hat nicht bloss für das gesamte Menschengeschlecht seinen Dienst zu thun, er thut es für das Weltall, für die leblose Natur noch so gut, wie für die beseelte Welt. ״Es ist nur geziemend״, sägt er voraufgebend, ״dass der dem