Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 5 · p. Seite 478

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1903-01-01
Page
Seite 478 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829768-2829774-2884812--32338-2884917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

8ד4 Besprechungen, halb wurde ja auch die Leiche einbalsamirt und mit allen nöthigen Gerätschaften und mit Zauberfoimeln versehen, um die feindlichen Dämonen zu •beschwören. Diese rohsinnliche Anschauung van dem Leben nach dem Tode und die Angst vor Dämonen beherrschte auch das Leben. Dem gegenüber hat die Schrift mit Recht Front gemacht und sich in;Gegensatz zu Aegypten gestellt, indem sie die Zauberei und den Aberglauben bekämpfte und von dem Jenseits keinerlei bestimmte Yorstellungen weckte, damit man sich mit der Auffassung begnüge: Kein Auge hat es gesehen, Gott, ausser Dir. Güderaann wendet sieh auch gegen das, womit Eduard Meyer das angebliche Fehlen des Unsterblichkeitsglaubens in Israel begründet: ,.Immer sei den Propheten das irdische Leben das einzige, das Individuum nur ein Glied der Nation, das materielle Wohlergehen des Volkes das letzte Ziel״. Dem widerspreche die Gescluclite des jüdischen Volkes, die zumeist nicht von irdischen Wohlergehen zu berichten weiss. Dem widerspreche aber auch die Schrift, die hauptsächlich einen weiten Kreis von Pflichten beschreibt lind verhältnismässig wenig von irdischen Genüssen redet. Deshalb fehlt es aber den Israeliten nicht an Lebenslust und Lebensfreude. Das bildet den Inhalt der gemiitlivollen und herrlichen ׳ Darstellung des fünften Capitels. Die Lust au der Thora sei dem Israeliten die höchste. Güdemann meint, •dass die griechische lieber־ Setzung des Wortes Thora in Gesetz, die mit Rücksicht auf die lieDenischen Leser gewählt wurde, es verschuldet habe, dass inan das, was eigentlich eine Lust an der Thora war. als eine Last des Gesetzes bezeichnet hat. Thora heisst aber nur Lehre, und Lehren und Lernen ist eine Hauptforderung. Die Beschäftigung mil dem vielseitigen Inhalt der heiligen 8chriften und das Geistesspiel in den Demissionen der Lehrhäuser war eine Anregung für den Geist, eine Freude fürs Herz und bewahrte *auc-11 gerade vor Erstarrung. Neben dem Lernen und Lehren ist auch das Bewahren und Thun eine QueLLe der Freude. Für die Bedeutung einer Simcha schel Mizwa haben diejenigen kein Verständniss, ׳ die das jüdische, Leben als ein .selbstquälerisches und martervolles schildern. Diese.Freude an der frommen Handlung zieht als stille L Heiterkeit durch das Innenleben der Juden zu allen Zeiten. Der Sabbat -:wird nicht als Beschwerde, sondern als Vergnügen empfunden. Und die - Freude,..י welche1 die frommen Vorbereitungen, Uebungen und Verriebtungen bereiten, lässt Grübeleien und Schwermüthigkeit nicht aufkommen, wie solche gerade dort entstehen, wo sich das religiöse Bedürfnis nicht in׳ regelmässigon frommen Bräuchen und Enthaltsamkeiten ent-; laden kann. Dem Judenthume ist nichts sogeringfügig, das es nicht ■ durch den Stempel •der Religion veredelt, dass nicdit daraus eine Be- . Ziehung auf Gott gewonnen werden könnte. Das, meint Güdemann, ist die Grundanscliauiingfdes Talmud, dem er eine eingehende Behandlung widmet. Die talmudische Sage von dem Rathe Achitophels an den Sänger David, welchen die Fluthen zu verschlingen drohten, Scherben, welche mit dem göttlichen Namen beschrieben seien, zur Beschwichtigung in die Fluthen zu werfen, deutet Güdemann in geistreicher Weise dahin, . dass die Scherbe das Kleinste und Geringfügigste bezeichne. Indem man! auch die Scherbe mit dem Namen Gottes beschreibt, das heisst, indem ruän jede Lebensäusserung zu Gott in Beziehung bringt, gewinnt man Stärkung, Trost und Beruhigung in allen Lagen des Lebens. Auf diese geistreiche Auslegung möchte ich den bekannten talmudischen Spruch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.