Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 477 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen. 47T Zeiten die Erkenntnis einzelner erlauchter Geister . mit besonderer; ponnenhafter Intuitionsfähigkeit oder Speculatioםsgabe dieses;.oder jenes•’ »Stammes und "Volkes; aber sittenbildend in das Leben! der; FamUie;: wurde sie von Abraham und sittenbildend in das Leben; einest•:Volkes,;;-! wurde 8i0 erst von Mose und den Propheten eingeführt.; vf!; ■! Der־ Gegenstand des;5. Capiteia ist der Mensch im Ebenbilde | Gottes. Dieses Capitel enthält für uns nichts wesentlich Neues, Es• wird in ihm der Beweis gefühlt, dass das Judeuthum seinen Bekennern: die Nächstenliebe gegen jeden Menschen als solchen gebietet und di6 Wie der Vergeltung erlittenen Unrechts ebenso gegen jeden Menschen• als solchen verbietet, weil der Mensch ein Ebenbild Gottes ist. Es bandelt auch ״von der Auserwählung Israels, dass diese keine Zurück- Setzung anderer Völker involvirt, sondern die Höhe der Aufgaben und Pflichten bezeichnet ־und ein ״noblesse oblige“ bedeuten will. Es ist gut, dass dies klipp und klar und in so wirksamer Form immer von Neuem gesagt und betont wird, da es ־von vielen christlichen Gelehrten noch immer mit Hartnäckigkeit anders (!mfgefasst wird. Geistreich und! originell sind Gikdemanns Bemerkungen über die Me- 1hode der Thora, wie sie den*^ Menschen zur Nächstenliebe erzieht, wie sie die natürlichen Empfindungen der Menschen nicht ignorirt,. sondern vielmehr berücksichtigt, jedoch so, dass ihre Berücksichtigung zugleich ihre Beschwichtigung und in Folge dessen eine liebevolle Befeandlung des Feindes herbeitübren muss. Das wird mit der Erklärung der Stellen demonstrirt, welche von dempflichtgemässen Verhaltengegen Feinde und bei erlittenem Unrecht handeln. Einen bedeutenden und wirksamen Einschlag in diese Erziehungsmethode bildet die Verwerfchung der Geschichte Israels in Aegypten, um die Liebe gegen den'Fremdling einzuprägen, der der eigentliche Nächste ist, und um. die Dankbarkeit zu fordern, selbst für eine solche Gastfreundschaft, welche den Israeliten so viele Leiden gebracht hat. Güdemann knüpft hierbei an die edlen und tief empfindungsvollen Worte Cornills an. Von der Lehre über die Gottähnlichkeit im Menschen weudet sich Güdemann im 4. Capitel zu der über das Jenseits und Diesseits. Der Glaube an ein ewiges Leben ist ihm die nofchwendige Consequenz jener Lehre, aber er folgt auch mit Nothwendigkeit aus der persönlichen Aufopferung, welche die Schrift fordert, aus dem Gebote Gott zu lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen: Dieser Glaube ist aus der Zeit des zweiten Tempels nicht als etwas Neues, sondern als etwas bereits Altes und Hergebrachtes nachgewiesen, der wahrscheinlieh auch von den Sadducäern angenommen war, die nur die Auferstehung der Toten geleugnet haben. Dagegen bleibt der Mangel einer bestimmten Lehre über ein Leben nach dem Tode als eine auffallende Thatsache bestehen. Güdemann stimmt Max Dunker hei, dass dabeider־ Gegensatz zu dem ägyptischen Wesen nicht unwirksam gewesen sei. Er widerspricht nur der weiteren Bemerkung Bunkers, dass dieser Gegensatz so stark .war, dass das beste Stück der ägyptischen Beligion, 4er Glaube an die Fortdauer der Seele nach, dem Tode, an ihr Erwachen nach dem Tode zu neuem Leben, von den Israeliten nicht aufgenommen wurde. Güdemann zeigt,, von welcher Art dieses beste Stück der ägyptischen!Religion gewesen sei. Er ־weist nach, wie das Jenseits bei ihnen nur eine Fortsetzung des Diesseits war, da man annahm, dass der Mensch im neuen Leben dieselbe Stellung bekleide, dieselbe Belustigung treibe und dieselben Bedürfnisse habe, wie im irdischen Leben. Des-