Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 476 Vocalisirung Ewalds in die Uebersetzungen ist erst die Meinung von einem angeblichen Nationalgott der Israeliten entstanden. Klar und überzeugend sind die Ausführungen, wie der Weg zum Monotheismus vom Henotheismus nicht leichter sei als vom Polytheimus. Wie ist der Gottesglaube in Israel entstanden? Wie nicht nur aus den Propheten, sondern aiich aus der Erzählung von Abraham und Jakob zu ersehen sei, ist er nicht auf dem Wege einer philosophischen Speculation, sondern auf dem der Intuition, durch die Anschauung des Nachthimmels mit den Sternen entstanden. Kann aber das höchste Wesen demjenigen der zuerst dieses Buch des Himmels zu lesen verstand, anders als ein universalistisches erschienen sein? Wölbt sich der Himmel nicht über alle Menschen? Leuchten Sonne, Mond und Sterne nicht allen? Es wäre doch seltsam, wenn derjenige, dein der Sinn dieses Buches zuerst aufging, * zugleich so weitblickend und so beschränkt gewesen wäre, die Sternenwelt einem einzigen, aber nur mit einer provinzialen Autorität bekleideten Gotte unterzuordnen. Diese wichtige Intuition sei das Verdienst Israels um den Monotheismus. Mit dem Hinweis auf das Wort Goethes, ״wäre das Auge nicht sonnenhaft, könnte es die Sonne nicht erblicken“, bemerkt Güdemann, dass Israel für ׳die Erkenntnis Gottes das empfängliche Auge von Gott erhalten habe. Das charakteristische des israelitischen Monotheismus sei aber noch das individualistische Moment, das persönliehe Verhältnis^ zu Gott, die Gotteskindschaft. Und das schreibt G. dem familiären Ursprung des israelitischen Monotheismus zu. Es sind köstliche Gedanken, die in diesem Capitel ihre reizvolle und wirksame Darstellung finden. Aber dieses Capitel enthält auch manches, dem wir unsere Bedenken entgegenhalten müssen. Und diese betreffen das, was Güdemann über die Entstehung des Monotheismus sagt. Ich kann mich dem nicht ansehliessen, wenn er sagt, dass der Monotheismus aus dem Schoosse der Familie hervorgegangen sei und dass diese das Frühere, der Mutterboden, jener das Spätere, das Product \war. Güdemann : meint, wie aus dem Zusammenhänge zu ersehen ist, die sittlich constituirte Familie. Ich möchte aber das Umgekehrte für, richtig halten. Der Monotheismus ist das Frühere und die sittliche Familie Ist sein Produkt., Die Wahrheit des Monotheismus ist urspriinglicli; von Einzelnen und nicht von Mehreren weder in der Familie noch im Volke-erkannt worden. Güdemann meint zwar, dass Israel'von Hause aus das sonnenhafte Auge für die Erkenntnis Gottes besessen habei Ich will da8 :zugeben. Aber wie die Sonne doch Vorher da sein muss,• bevor sie von dem sonnenhaften Auge erblickt wird, so muss die Erkenntnis des einen Gottes auch rorher da gewesen 8ein, bevor sie auf־ die Empfänglichkeit des Volkes eingewirkt hat. Und'es ist auch mit dem sonnenhaften Auge Israels eine eigene Sache. Es hat doch ziemlich lange'gedauert, bis die vollen Strahlen jener Erkenntniss von dem Auge Israels aufgenommen wurden und der Volksseele bis auf den Grund gekommen waren. So ist auch die Familie Abrahams nicht der Boden, auf dem der Monotheismus entstanden. Der Monotheismus wurde vielmehr •von Abraham in die Familie eingeführt und-hat die sittliche Familie geschaffen. Nach der Bibel ist der Monotheismus 80g*r weit älter als Abraham, obgleich er ihn nicht von seinem Yaterhause geerbt hat. Er war im Besitze von Henoch und Noa und nach der Tradition auch von Sem und Eber. Für die Entstehung dieser. Wahrheit, gibt es keine historische Grenze. Sie war seit uralter!