Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 47r> tischen Blöcken hervorragen und von jedem Familienzusammen hange mehr oder weniger abgelöst sind oder die natürlichen Familienbande absichtlich von sich werfen. Die Gründer lind Gesetzgeber des Volkes Israel ragen durch ihre Familientugeuden als Väter und Mütter hervor. Die Eigenschaften, die 810 auszeichnoi), liegen nicht über dem Niveau des Alltäglichen, sondern mitten in demselben; os sind Fannlientugenden. Man braucht nicht bis an dio Schneegrenze dor ]Menschlichkeit hinanzusteigen, um sie zu begreifen, wohin auch die "Völligsten folgen können, sondern ihr Wesen bereitet sich zur eh (י non Erde aus. Die einlachste Häuslichkeit bietet gerade Kaum genug für dieses .Schauspiel. So enthält •las 1. Buch Musis überwiegend Familiengeschieht©. Güdemann weist aber auch auf die grossartigen Züge des Familienlebens in späterer Zeit hin, auf Hanna. David und dio Verborrlichung der Frau in der hebräischen Dichtung. Die Schilderung des biederen Weibes hat sich der Dichter sicherlich nicht aus den Fingern gesogen. Die Polygamie wird blos geduldet, aber das Lehrziel der Bibel ist die Monogamie. Charakteristisch dafür ist. dass das in der Bibel gebräuchliche Wort für Kebsweib nicht hebräisch ist und!lass ein anderes hebräisches Wort dafür Feindin bedeutet. Auch dio Freiheit der Ehescheidung hat eher zur Festigung als zur Luckerung des Familienlebens beigetragen, was jetzt allgemein anerkannt ist. Hüdemann belegt das alles sehr gründlich auch aus de״ talnmdischen und r.achtalnnidischcn Zeit. Ein schönes und gedankenreiches Capitol nach Form und InhaLt. Nur gegen Einzelnes möchte ich doch Einiges einzu wenden haben. Was Güdemann über das Fehlen ,mu einsamen, das Niveau des Menschlichen überragenden Grössen in den Anfängen und unter den Gründern und Gesetzgebern des israelitischen Volkes bomerkt. ist doch nicht durchaus richtig. Grössen solcher Art sind uns sicherlich Simson und der Prophet Elia und vielleicht auch Mose, der von Fainilienbeziehungon zwar nicht lusgelüst ist, bei dem aber dor Familiensinn sicherlich nur einen unwesentlichen Zug im Charakter bildet. Störend ist uns auch der bibelkritische Standpunkt, den dor Verfasser einnimmt, indem er die von der Bibelkritik behauptete spätere Ahfassung des Pentateuchs als etwas Selbsverstäiulliches und Unbestreitbares hinnimmt, obgleich ich der Meinung bin, dass er sich nur im Interesse einer wirksamen Apologie auf den Standpunkt der Gegner gestellt hat. Fein empfunden und tief durchdacht ist das zweite Capitol über den Gottesglauben. Güdemann vertheidigt den universalistischen Chalakter des israelitischen Monotheismus gegen die Behauptung, dass .111 WH nur der einzige Xationalgott wäre, desson Anerkennung das Vorhandensein anderer Götter überhaupt nicht ausschliesst. Max Müller hat dafür statt Monotheismus das Wort Henotheismus gezeugt. G. verweist dagegen auf das Alenugebet, das nur den alten Glauben reflectirt, citirt dagegen zahlreiche, beweiskräftige Stellen der heiligen Schrift und sagt, dass Hosea, Amos und das Buch Jona nicht mit dem Anspruch auftraten, etwas Neues zu verkünden. Dio Ausdrücke wie unser Gott und Gott Abrahams zur Bezeichnung des von Israel geglaubten Gottes sei nur eine Aushilfe, weil es in der hebräischen Sprache nicht nur für Göttin, sondern auch für Gott kein entsprechendes Wort gebe. Elohim könne ebenso gut als ״unheilig* gebraucht werden. Der Name JHWH sollte nach seiner Meinung diese specitische Bezeichnung des einen Gottes sein und sollte nichts anderes als Gott bedeuten. Durch die Einführung dieses Namens nach der