Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829768-2829774-2884809--32298-2884883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
444 Die Vorlesungen Harnacks über das ,Wesen des Christenthums. zweiten vorchristlichen Jahrhundert fanden auch vielfach jüdische Ansiedelungen in Griechenland, Italien und deren Nachbarländern statt. Zur Zeit Sulla’s (um 85 v. Ohr.) .sagt Strabo, dass das jüdisch(‘ Volk ״in jede Stadt be* reits gekommen war. Und man kann nicht leicht einen Ort in der Welt finden, der nicht dieses Geschlecht aufgenommen hat und von ihm eingenommen wird1״). Ucberall, wohin die Juden wunderten, nahmen sie ihre heiligen Schriften mit, errichteten Bet• und Lehrhäuser, sowie eigene Begräbnisstätten, hatten ihre eigene Gemeinde- Verwaltung, vieliach auch eigenes Gerichtswesen und ״um die getrennten Glieder schloss sich der Ring der Eintracht2״). Mit dem Heimaihlande standen sie in lebhafter Verbindung und besuchten es häufig zu den Festtagen. Briefe und Boten kamen und gingen. Den officiellen griechischen Namen der Abgesandten der jüdischen Behörden ,A'ttogtgao׳., (hebr. שלודדין) haben später auch die Sendboten des Chmteuthums angenommen3). Von diesen jüdischen Ansiedelungen ging frühzeitig, schon im babylonischen Exile eine starke Anziehungskraft auf ihre heidnische Umgebung aus. Im Bewusstsein der Grösse und Einzigkeit ihres Gottes hatten die Propheten längst seine allmähliche Anerkennung auch von andern Völkern erwartet4). ״Zu gering ist es“, lautet das Wort Gottes beim zweiten Jesaias, ״dass du mir ein Knecht seiest, die Stämme Jakob’s aufzurichten und die Bewahrten aus Israel zurückznführen, und so mache ich dich zu einem Lichte für die Völker, dass mein Heil dringe bis zum Ende der Erde5״). Und in der That schlossen sich auch damals be* reits eine Anzahl Heiden der Gemeinde Israels an und der Prophet bezeichnet es als die Bestimmung des neu zu erbauenden Tempels ״mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker0״). Wie allen idealen Zielen und Hoffnungen konnte auch diesen nicht unter allen Verhältnissen entsprochen werden. Esra und Nehemia lehnten, um ihr Volk . vor dein Rück- ף bei Jos. Antt. XIV 7. 2. 8. Schürer a. ru 0. IIla 3 ff, 2) Philo de monarckia 11. I* ed. Mangey 223. ף Harnack a. a. 0. $. 237 ff. 4) Jes. 2, 2 ff., 11, 10. 19, 17 ff Zephanja 3, 10. Jeremia 3, 17. 16, 19 ff, sowie Ps. 22, 28 ff. 67, 4 ff. 49 ף, Ö. vgl. 42, 1 ff. 45, 22 ff. 51, 4 ff. «) 56, 6—8. Sacharja 2, 15. Vgl. Graetz, Gosch, d. Isr. Ilb 20 f.