Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Vorlesungen liarnacks über üas Wesen des Christenthums. 441 blieben eine geringe, von der Kirche abgesonderte und von ihr als ketzerisch betrachtete Seete. Mit der Grundiegun des Ohristcnthums hatten sie ihre geschichtliche Aufgab beendet. 4. Innerhalb des Judenthums begründet, hatten sie zuniiehst nur die Zahl der bereits vorhandenen jüdischen Secten, der Sadducaer und Boethusäer, der Pharisäer und Essäcr mit ihren verschiedenartigen Verzweigungen, vermehrt. Eine grössere Bewegung innerhalb desselben konuten sie nicht hervorrufen. Diejenigen, die Jesu während seines Lebens den Glauben versagt hatten, konnten ihn noch weniger nach seinem Tode gewinnen und Weiteres hatten seine Jünger den Juden auch später nicht zu bieten. Die Apostelgeschichte spricht zwar von Tausenden und Myriaden Juden, die gläubig wurden1). Aber etwa hundert Jahre nach der von ihr angenommenen Zeit berichtet Justin, dass es nur Wenig(‘ gewesen seien2 *). Audi die V erfolg un gen, welche sie erzählt, erscheinen nicht glaubwürdiger, wie ihre zahlreichen Wundergeschichten und gleich diesen aus den Vorstellungen eines, räumlieh und zeitlich, den ursprünglichen Verhältnissen fernstehenden Kreises phantasiereich entwickelt. Ja sie selbst lässt noch die wirklichen Zustände erkennen, wenn sie mitten in dem Berichte0) von einer grossen Verfolgung der Gemeinde von Jerusalem, bei der Saulus, der spätere Paulus, ״gegen die Gemeinde wüthete, in die Häuser drang, Männer und Weiber fortschleppte und sie dem Geffigniss überantwortete״ und bei der ״alle sich in das Gebiet Judäa und Sauiaria zerstreuten“, hinzufügt ״m it Ausnahme der Apostel״. Also die anerkannten Häupter und Führer der neuen Gemeinschalt, die Jünger und Bekenner Jesu, konnten ungefährdet in Jerusalem bleiben! Dort im Kreise ihrer An- }länger lehrten und wirkten sie weiter• Dorthin begaben sich auch später die Familienangehörigen Jesu4־). Und Eu8ebius führt fünfzehn Bischöfe mit Namen an, die bis zur Zeit Hadrians an der Spitze der Gemeinde in Jerusalem gestanden und der Beschneidung angehört hätten, d. h, Judenchristen gewesen seien5). .20 ,21 .7 ,6 .4 ,4 .47 .41 ,2 (י 2) Apologie I, 53. s. Harnack, die Mission u. Ausbr. d. Chr. 44. 5) 8, 1 —3. 4) Hausratk II2 315 ff, * Kirchengesch. III 32. bc> o