Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 5 · p. Seite 439

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 5
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 439 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829768-2829774-2884809--32293-2884878
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen dos Christenthums. 430 später auch noch dem Berichte des Marcus beigefügt worden. Er ist eine Erklärung, welche die spätere Anerkennung Jesu als ״Gottes Sohn“, wofür synonym häufig das Wort ״Menschensohn“ steht, voraussetzt. Als ״Gottes Sohn״ konnte Jesus allerdings auch Herr über die von diesem gegebenen Gesetze angesehen werden und sie für die an ihn Glaubenden auflieben. Aber den Bchriftgelehrtcn gegenüber war eine solche Erklärung Jesu unmöglich; sie passt־ auch in keiner Weise zu seinen vorhergehenden Erklärungen. Sie ist der Ausdruck einer erst viel später eingetretenen Entwickelung• der Christologie. Und dieser E n t w i c k e 1 u n g, die ü ,oer das ursprüngliche Cb ristenthum hinausging, sind die eigentlichen Juden ch r i steil nicht g e f o I g tr). Sie wurden mit dein besondevn Namen Ebioniton benannt, eine Bezeichnung, die sie sich wahr־־ seheinlich selbst gegeben haben und die mit der Anrede der Bergpredigt an die ״Armen״, hehr. Ehjonim, zusammenhängt. Ueberaus lehrreich und nach b e i d e n Sei t 0 n hin charakteristisch ist die von ihnen durch den im 4. Jahrli. lebenden Bischof Eusebius gegebene Schilderung‘-). ״Die Ebioniten hielten ihn (Ohr.) für ei n e n gewöhnlichen Menschen, d o r n 11 v w egen sein v r sittlichen Y o 1 1 k 0 m m e n h e i t f ii r gerec h t e r k 1 ii r t worden, übrigens die Frucht des Umganges eines Mannes mit Maria sei. Ihrer Ansicht nach war die Beobachtung des Gesetzes durchaus notlnvendig, weil man nicht allein durch den blossen Glauben an Christus und durch die Einrichtung des Lebenswandels nach seiner Lehre die Seligkeit erlangen könne. Andere gleichen Namens vermieden zwar die aberwitzige Ungereimtheit, die Geburt des Herrn von einer Jungfrau und dem heiligen Geist zu leugnen, gaben aber dennoch auch nicht zu, dass er vorher existirt habe, dass er der Logos, Gott und die persönliche Weisheit sei und hegen somit dieselbe falsche Aosicht, wie die ersteren, besonders da auch sie auf dieselbe Art, wie jene, den fleischlichen (Jeremonien des Gesetzes naebzukommen sich bestreben. Sie behaupten, man müsse alle Briefe Pauli, den sie einen Abtrünnigen vom Gesetz nennen, verwerfen uud bedienen sich nur des so-‘ genannten Evangeliums der Hebräer, ohne den andern 1) s, Klüpper u. <1. A. Nazarener in Schenkels Bibellexikon IV, 30.1 ff. 2) in s, Kirehengesch. III, c. 27.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.