Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 5 · p. Seite 437

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 5
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 437 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829768-2829774-2884809--32291-2884876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Vorlesungen Harnacks ■über• das Wesen deö Chris tenthums. 437 eine prophetische Ankündigung der Yerdatnmnis und Verurtheilung seiner Widersacher1), Sprüche, die sie später ver״ nahmen, .und die ihnen Jesu DenkundLehrweise entsprechen mochten, wurden ihm ztigeschrieben, neu eintretende Zeitverhältnisse,Kämpfe, Erwartungen und Enttäuschungen von ihnen durch Bilder und Gleichnisse in seinem Sinne beleuchtet. So bildeten sich im Kreise seiner Jünger und in den ersten Ge״ meinden seines Heimathlandes die Grundlagen und der hauptsächliche Stoff, der Evangelien, den sodann die späteren Bearbeitungen nach ihren verschiedenartigen Auffassungen und Tendenzen formten, verkürzten und erweiterten2]. ,Die weitere Gestaltung und Ausbreitung des Christenthums knüpft sich an den Namen und an die Schriften Paulus. Aber seine theologischen Doctrinen-Jilieben, abgesehen von seiner Polemik gegen das Judentum, "'dem Verständnisse und den Empfindungen des Volkes zumeist fremd und haben eine Bedeutung nur in der christlichen Dogmatik erlangt. Das Grosse und bleibend Wirksame im Christenthum aber, das Lebensbild und die Geschichte Jesu, das Rührende seiner Erscheinung, seiner Sanitmuth und Güte, die Weisheit und Kraft seiner Sprüche, die Anmuth und Sinnigkeit seiner Gleichnisse und Parabeln sind die Schöpfung der schlichten, unbekannten jüdischen Männer, diemit den unmittelbaren Erinnerungen an ihn eine Fülle von Zügen aus dem heiligen Schriftthuni ihres Volkes und von Lehren seiner Weisen verbanden und dieses Gebilde mit dem warmen Hauche ihrer Liebe und Begeisterung erfüllten. 2. Gemüthern, die das Bedürfniss hatten, für ihren Glauben, dass der Me9sias erschienen sei, Rechtfertigung und Bestätigung in der heiligen Schrift zu suchen, lag jeder Gedanke fern, dass er gekommen sei, ״das Gesetz oder die Propheten aufzulösen“. Für sie hatte er vielmehr das Wort gesprochen: ״ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen3)“. Und als der Gedanke dieser Auflösung von Andern später ausgesprochen wurde, da haben sie ihn als einen sündhaften bekämpft, als ״die gesetzlose und nichts״ würdige Lehre des feindseligen Menschen4 **4) bezeichnet, der ״Unkraut unter den Weizen gesäet hat6)“. ג) Vgl. Matth. 26, 14. 27, 3 ff. Apgsch, 1, 16 ff. mit Saeharja 11, 12 1. Ps. 69, 26. 109, 8. 2) S, Renan V les evangiles 77 ff. 198 ff. Hausräth II2 334 ff. 407 ff. -׳) Matth. 5, 17. *) Feld. Chr. Baur, Kirchengeßch. d. 8 ersten Jahrhunderte, S. 80f. *) Matth. 13, 24 ff. Renan V. 108 f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.