Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 3)
- Language
- German
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436 Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. Gotteslamm und späteren Zeiten eines der hauptsächlichsten Sinnbilder des Glaubens und der Kunst. Weitere Berichte und Klagen über Kränkungen und Verfolgungen, welche Propheten und Psalmisten in den verschiedensten Zeiten und Verhältnissen erlitten hatten, wurden von ihnen in gleicher Weise ihrem natürlichen Zusammenhang entzogen und als Vorausverkündigungen der Jesu auferlegten Leiden gedeutet1). Die lebendig erfassten und mit aller Kraft der Phantasie weiter ausgeführten 8 c h r i f t s t e 11 e n wurden ihnen zu V o r s t e llungen, die mit persönlichen oder ihnen überlieferten den Erinnerungen an das Leben, die Thaten und Worte Jesu bich verbanden und sein Bild immer reicherund voller ausgestalteten. Was die begeisterten Jünger an grossen und edlen Eigenschaften, an Zügen und Worten der Demutli und Sanftmuth im. heiligen Schriftthum fanden, das vereinigten sie zu einem Strahlenkränze um Jesu Haupt. Vor keiner Vergewaltigung des Schrifttextes scheute man dabei zurück. Wenn der Prophet Hosea im ^Tarnen Gottes von Israel;:sprach ״aus Aegypten habe ich mein en Sohn b eruf e n“2 3 *), so wurde dieses Wort ihnen zur Deutung, dass Jesus mit seinen Angehörigen nach Aegypten, flüchten und von dort wieder zurückberufen werden sollte. Derselbe Prophet hatte die Kraft der Busse, mit den Worten gepriesen: ״auf, lasst uns zurückkehren zum Herrn, denn er, der uns verwundet hat, wird uns auch wieder, heilen, der uns schlägt, uüs auch verbinden. Er W i$r du a c h z w g־i T a g e 11 uns neu beleben, am d r i tt e n a ufrichten, dass wi rvor ihm leb enft. Die zwei, oder drei Tage welche die baldige Gnade für den Bussfertigen bedeuten sollen, wurden ihnen zu einer Verkündigung. der Au ferstehung Jesu am *dritten T^age8). In solcher Weise, die wirklichen Geschehnisse verändjern.d und sie mit zahlreichen, vielfach ihrer ursprünglichen Bedeutung vollkommen entzogenen Schriftstellen, Bildern und Erzählungen erweiternd,, setzten sie ein bis in’s Einzelne ausgeführtes Lebensbild Jesu zusammen, entwickelten sie selbst ף י יי Ps. 22. 4i, 10. 69, 8. ff. 22. 118, 3. Saeharja 9, 9. 13. 7. Matth. 21, 1 ff. 26, 23. 81. 27, 31 ff. 21, 42 f. Job. 19, 23 f. 36. 2) 11, 1. Vgl. Matth. 2, 13—15. 3) Hosea 6, 1. 2. dazu auch Jonas 2, 1. Vgl. 1 Kor. 15. 4. Matth. 16, 21.